„Wohnen in der City ist attraktiv“

Interview in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 25. Januar 2008

Heinz Sahnen MdL
Heinz Sahnen MdL

Mit seinem Positionspapier „Die Herausforderung Innenstadt“ hat sich Heinz Sahnen MdL in die aktuelle Diskussion um die Entwicklung der Neusser City eingeschaltet. Der Vorsitzende der CDU-Mehrheitsfraktion plädiert mit Blick auf den bevorstehenden demografischen Wandel für verstärkte Wohnangebote in der Innenstadt. Über seinen gedanklichen Ansatz spricht Sahnen im Interview mit der NGZ.

Herr Sahnen, eine Renaissance der Innenstadt ist in Ihren Augen nur möglich, wenn „Wohnen als Basisfaktor für städtisches Leben“ stärker bei den Planungen berücksichtigt wird. Was meinen Sie damit?

Heinz Sahnen Die Menschen sind aus den Innenstädten weggezogen. In der Folge standen Wohnungen leer. Wird die Wohnqualität schlechter, dann leidet auch der Handel und insgesamt der Zuspruch zum innerstädtischen Geschehen. Es gilt weiterhin der Grundsatz: Der Innenstadtbewohner ist auch der beste Innenstadtbesucher.

Darum fordern Sie attraktivere Wohnangebote für die Innenstadt?

Sahnen Zwei Trends helfen uns. Erstens: Eheleute ziehen in die Stadt, wenn ihre Kinder aus dem Haus sind. Zweitens: Immer mehr Eltern wollen Familie und Beruf miteinander vereinbaren. In dieser Situation hilft ein Wohnstandort mit kurzen Wegen zur Arbeit, zum Kindergarten und zur Schule.

Aber das ist doch nur ein Aspekt ...

Sahnen Es gilt der bekannte Satz: Wir werden weniger, wir werden älter, wir werden bunter. Dank einer umsichtigen Siedlungs- und Wohnungsbaupolitik konnten wir in Neuss eine stabile Einwohnerzahl gewährleisten. Das ist für den Unterhalt der sozialen, schulischen und kulturellen Einrichtungen von großer Bedeutung. Der beachtliche Anteil von Menschen mit einem so genannten Migrationshintergrund und das Phänomen des Alters werden jedoch auch bei uns sichtbar. Heute ist jeder vierte Neusser älter als 60 Jahre; bereits 2025 wird jeder dritte Neusser die Sechzig überschritten haben. Mein Ziel ist, den Zusammenhang von Entwicklung der Innendstadt und demographischen Wandel bewusst zu machen.

Mehr noch. Wir benötigen Antworten. Haben Sie welche? Sie sind immerhin stellvertretender Vorsitzender des Bauverein-Aufsichtsrates.

Sahnen Die „Südliche Furth“ mit ihren 260 Einheiten wendet sich an alle Generationen und liegt stadtnah. Am Marienkirchplatz werden 200 Wohnungen errichtet. Auch auf dem ehemaligen Busbahnhof-Gelände wäre Wohnbebauung eine sinnvolle Ergänzung der Planung, die einen Neubau für Volkshoch- und Musikschule vorsieht. Das Gelände der Münsterschule am alten Standort Quirinusstraße eignet sich fürs Citywohnen, und wir sollten konsequent die Baulücken entlang der alten Stadtmauer schließen.

Warum ist Ihnen so wichtig, dass möglichst viele Menschen in der Innenstadt wohnen?

Sahnen Die Innenstadt ist mehr als ein Einkaufscenter, sie ist ein Kulturraum. Wenn die Vitalisierung gelingt, werden Kindergärten, Spielplätze und Schulen weiter bestehen können, und auch Sozialangebote für Familien und Senioren haben im Einklang mit sozialen Dienstleistungen eine Zukunft. Nicht zuletzt wird auch die Seelsorge der Kirchengemeinden und das gesellschaftliche Leben von Vereinen neue Chancen erfahren. Das bürgerschaftliche Miteinander von Jung und Alt, gestützt von allen Cityakteuren, ist eine zukunftsorientierte Antwort auf demographische Veränderungen.

Vor den Toren entsteht mit dem Huma-Park ein großes Einkaufszentrum, und Sie sprechen vom Wohnen in der Innenstadt. Was wird aus der Neusser City?

Sahnen Wir alle stehen vor einer Herausforderung. Die City benötigt ebenfalls ein Einkaufszentrum, das kann auch etwas kleiner sein. Ansonsten dürfen wir nicht austauschbar sein, sondern wir müssen uns über gediegene Fachgeschäfte ein unverwechselbares Profil geben. Die Chance besteht. Zudem benötigen wir ein effektives Stadtmarketing, das bereits vorhandene Stärken betont und neue Initiativen startet. Der Grundstein bei der NTTG ist gelegt.