Verrückt auf Film

Mit Martin Moszkowicz kam jetzt einer der ganz großen Akteure des deutschen Kinos nach Neuss. Beim "Filmpolitischen Abend" von CDU und JU traf er mit den Köpfen der jungen Neusser Filmszene zusammen.

Szenen einer Promi-Ehe: "Sind wir professionell?" – "Immer." – "Alle fünf Meter einen Kuss?" – "Richtig." So macht man das, wenn der Schein das Sein überdecken soll. Jedenfalls dann, wenn die Crew der Neusser Filmstudios für ihre neue Produktion "La Punt" Liebesleid und Leidenschaft in der "Filmmetropole" Neuss und in den Schweizer Bergen in Szene setzen.

Nun gibt's in Neuss bislang weder echte Filmstars noch besitzt die Stadt die Kennzeichen einer Metropole, doch der Film könnte und soll in Neuss künftig eine herausgehobenere Rolle spielen als bisher. Mit dem ersten Filmpolitischen Abend schlugen CDU und Junge Union (JU) am Donnerstag im Filmkunst- und Programmkino Hitch an der Oberstraße die Pflöcke ein, um die bislang im "Off" – also jenseits aller Institutionalisierung – pulsierende junge Filmszene in Neuss in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Mit Martin Moszkowicz, Filmproduzent und Vorstand des Bereichs Film und Fernsehen der Constantin Film AG München, schaute sogar einer der ganz Großen des deutschen Filmgeschäfts vorbei, der auf Vermittlung von Daniel Walther, Bundesschatzmeister und filmpolitischer Sprecher der Jungen Union Deutschlands, ins Hitch gekommen war und dabei mehr verteilte als artiges Lob. Sein mit Blick auf die Neusser Filmstudios um den 17 Jahre alten Gymnasiasten Christopher Sassenrath geäußertes "Weiter so!" war deutlich.

Denn, wie Moszkowicz betonte: "Es geht um den Enthusiasmus an der Sache." Den besitzt das Kernteam der Filmstudios zweifellos, die einen engeren Kreis von um die 40 filmbegeisterten jungen Neussern um sich geschart haben und für ihre Dreharbeiten aus dem Vollen schöpfen können, was das Interesse anderer Jugendlicher für Rollen als (Neben-)Darsteller betrifft.

Moszkowicz selbst – "Ich kenne noch das alte Hitch." – sieht den deutschen Film insgesamt und das System der Filmförderung in der Bundesrepublik auf einem guten Weg. Der Marktanteil deutscher Produktionen liegt demnach bei rund 30 Prozent – Traumwerte im Vergleich zu früher, als der deutsche Film bei maximal 15, nicht selten sogar unter zehn Prozent vor sich hin dümpelte.

Die mit der Einrichtung des Deutschen Film-Förderungsfonds (DFFF) Anfang 2007 geschaffenen Rahmenbedingungen haben Impulse ausgelöst, die längst auch internationale Filmteams nach Deutschland locken. "Filme sind Kultur", sagt Moszkowicz, der aber gleichzeitig die wirtschaftliche Bedeutung des Films betont.

Die technologische Weiterentwicklung – Stichwort Internet und Internetpiraterie – sorgt aber auch auf seinem dunklen Lockenkopf für ein paar graue Strähnen mehr; bei diesem Thema wirkt der sonst so Erfolgsverwöhnte fast ein wenig hilflos.

Laut Andreas Hamacher, CDU-Stadtverordneter und Moderator des Abends, der mit einer Vorführung der Neusser Filmstudios, Talkrunde und exklusiver Vorpremiere des von Moszkowicz produzierten Films "Maria, ihm schmeckt's nicht" (Kinostart 6. August) dem Hitch ein volles Haus bescherte, soll der Filmpolitische Abend keine Eintagsfliege bleiben. Wann eine Fortsetzung tatsächlich folgt, blieb aber einstweilen offen.