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Streetworker gegen Gewalt auf der Straße

24.08.2000 1 Minute Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 24.8.2000

Neuss. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und die Innen- und Justizminister der C-regierten Ländern haben ein Denkzettel-Konzept entwickelt, mit dem sie der zunehmenden Jugendkriminalität begegnen wollen und außerdem einen Kontrapunkt zur "täterfreundlichen rot-grünen Justizpolitik" (Wolfgang Bosbach, innen- und rechtspolitischer Sprecher des CDU/CSU-Fraktion in Berlin).

Der Arbeitskreis "Kriminalprävention und Sicherheit" der Neusser CDU geht ganz andere Wege: Der Leiter des Arbeitskreises, Stadtverordneter Karl Heinz Schnitzler, fordert den Einsatz von Streetworkern, um das Problem der Jugendkriminalität in Neuss in den Griff zu kriegen. 80 Prozent der Straßengewalt geht von Jugendlichen aus. Die Zahl der Gewaltfälle hat sich in zehn Jahren verdoppelt. Der Arbeitskreis zieht bei diesem Thema mit der Jungen Union an einem Seil. Hintergrund dieser gemeinsamen Gespräche war ein Überfall auf Samuel Lehnert.

Der Schüler war auf dem Weg vom Multiplexkino an der Rheintorstraße zu einem Fastfood-Restaurant am Niedertor von jungen Türken und Marokkanern so niedergeschlagen worden, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Auch der Sohn der Stadtverordneten Ursula von Nollendorf wurde ein Opfer der Gewalt. Hat sich der Arbeitskreis bisher mehr mit Gewalt an Schulen und Abzocken von Jugendlichen befasst, so fordert er jetzt einen kommunalen Sicherheitsdienst gegen Straßenkriminalität. Die Stadt Krefeld war in Sachen Streetworker Vorreiter.

Neuss setzt neben der Polizei bereits zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein (im Vergleich: die Stadt Düsseldorf mit einer ganz anderen Szene schickt 72 Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf die Straße). Die Streetworker, die sich die CDU-Politiker vorstellen, sollen in enger Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Diakonischen Werk eingesetzt werden. Jörg Gerlings, JU-Vorsitzender, weiß von vielen Jugendlichen, die nicht mehr die Wetthalle oder die Disco am Hafen besuchen, weil dort ausländische Jugendliche schnell "Randale machen".

Karl Heinz Schnitzler und Ursula von Nollendorf warnen davor, nicht Hass aufeinander zu schüren und bei deutschen Jugendlichen einen Gegendruck aufkommen zu lassen. Man müsse im Vorfeld einen Weg finden, mit den verschiedenen ethnischen Gruppen ins Gespräch zu kommen. Gezielte Ansprache vor Ort könne die Situation entkrampfen. In Kürze treffen sich der CDU-Arbeitskreis und der städtische Arbeitskreis "Keine Gewalt" unter Leitung von Peter Söhngen.
hb