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Stadtwerke: "Krisenmanagement ist mangelhaft"

Dr. Bernd Koenemann
Dr. Bernd Koenemann
Die Stadtwerke Neuss (SWN) geraten weiter in die Defensive. Ihre fehlerhaften Abrechnungen und Abbuchungen im Zuge der Umstellung auf ein Euro-taugliches Computersystem waren am Montag Abend ein wichtiges Thema in der Fraktionssitzung der CDU. Deren Vorsitzender Dr. Bernd Koenemann sparte am Dienstag bei der Zusammenfassung der Diskussion nicht mit deutlichen Worten: "Unsere Fraktion hat die Umstellungsprobleme mit großem Unverständnis zur Kenntnis genommen und erwartet nachdrücklich, dass die Stadtwerke ihre Beratungsleistung deutlich erhöhen." Der Kommunalpolitiker zählte die Mängel auf, die sich wegen der vielen erbosten Nachfragen gezeigt hätten: "Das Kundencenter der Stadtwerke ist personell nicht ausreichend ausgestattet, und die Öffnungszeiten sind nicht so gestaltet, dass der Beratungsstau vernünftig abgearbeitet werden kann. Außerdem sind die Telefone permanent besetzt, und ich habe Verständnis dafür, dass einer sauer wird, wenn er den Hörer um Mitternacht immer noch vergeblich in der Hand hält." O-Ton Koenemann: "Das Krisenmanagement der Stadtwerke ist mangelhaft gewesen." Die Forderung der Union an die SWN-Führung um Geschäftsführer Heinz Runde ist klar und deutlich: "Wir erwarten eine schnelle und flexible Bearbeitung der nicht nachvollziehbaren Abrechnungen." Dazu müssten "auch Leute aus den Büros der Stadtwerke in die Kundenberatung kommen, um den Druck abarbeiten zu helfen". An Gesprächsstoff wird es am Dienstag nächster Woche in der SWN-Aufsichtsratssitzung also nicht mangeln. "Wir gehen davon aus, dass wir Vorschläge bekommen, die zur Bereinigung der großen Probleme führen und eventuell entstehende finanzielle Härten für Kunden ausschließen", steckt Bernd Koenemann den Rahmen ab. Die SPD schlägt in die gleiche Kerbe: "Wir erwarten ein Konzept, damit so etwas angesichts der Konkurrenzsituation zu anderen Anbietern nicht wieder vorkommt. Abrechnungen gehören zum operativen Geschäft, und das sollten die Stadtwerke schon beherrschen. Sonst muss da dringend Abhilfe geschaffen werden", betont Fraktionsvorsitzender Reiner Breuer ("es wäre doch peinlich, wenn die Stadtwerke überall Plakate mit der Aufschrift 'Wir rechnen richtig' kleben müssten"). "Einigermaßen umgehauen" hat Breuer die Nachricht, dass das Neusser Rathaus Strom von den Düsseldorfer Stadtwerken bezieht. "Das ist eine kleine Lachnummer, aber es entspricht nun einmal der Realität, dass die Anbieter um die großen Kunden buhlen", so der Sozialdemokrat. Trotzdem hält er es "für einigermaßen irrwitzig, dass die Stadt nicht die eigene Tochter mit der Stromversorgung beauftragt". Bernd Koenemann zu diesem Thema: "Der europäische Strommarkt ist liberalisiert, und die Stadtwerke Neuss haben sich den Bedingungen auf diesem Markt zu stellen und müssen sehen, dass sie konkurrenzfähig sind." Thilo Zimmermann