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Ausbildungsplatzabgabe: Podium bei der Jungen Union gegen die Bundesregierung

Selbst der Gewerkschafter skeptisch

28.05.2004 1 Minute Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 28. Mai 2004

v.l.n.r.: Oliver Heinrich von der IGBCE, Paul Neukirchen von der Kreishandwerkerschaft, JU-Organisator Andreas Hamacher, Heribert Werkes von der IHK und SU-Landesvorsitzender Lars Lubisch

v.l.n.r.: Oliver Heinrich von der IGBCE, Paul Neukirchen von der Kreishandwerkerschaft, JU-Organisator Andreas Hamacher, Heribert Werkes von der IHK und SU-Landesvorsitzender Lars Lubisch

Die Ausbildungsplatzabgabe kommt. Die rot-grüne Regierungskoalition hat diese erst vor kurzem beschlossen. Die Einwände der Wirtschaftsbosse und auch die von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement wurden überhört. Am Puls der Zeit lud die Junge Union (JU) Neuss nun in das Thomas-Morus Haus zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Ausbildungsplatzabgabe - ein Ausbildungsplatzvernichter?" ein.

Auf dem Podium diskutierten Paul Neukirchen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Heribert Werkes, Referent für Ausbildung der Industrie- und Handelskammer mittlerer Niederrhein, sowie Lars Lubisch, der Landesvorsitzende der Schüler Union und Oliver Heinrich, Landesbezirksjugendsekretär der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie miteinander.

Schon nach dem ersten Statement wurde klar, dass die Sympathien auf dem Podium recht einseitig verteilt waren. Mit Ausnahme von Heinrich kritisierten alle Anwesenden die Abgabe als Unsinn. "Mit einer solchen Abgabe schafft man keine Ausbildungsplätze, man vernichtet sie", sagte Neukirchen. Die Regierung solle lieber dafür sorgen tragen, dass sich die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern, dann würde es auch mehr Lehrstellen geben. In die Rolle des Verfechters der Abgabe gedrängt, übernahm der Gewerkschafter Heinrich diesen Part allerdings nur widerwillig und bewies einige Male, dass auch er andere Lösungen vorgezogen hätte.

Dennoch: "Im Endeffekt denke und hoffe ich, dass die Abgabe zusätzliche Lehrstellen schafft, am besten wäre es aber, wenn das Gesetz überhaupt nicht zur Anwendung käme, sondern vielmehr Einigungen in Tarifverträgen erreicht werden können." Die Abgabe sei nicht die beste Möglichkeit Einfluss zu nehmen, aber sie sei zumindest ein Mittel. Neukirchen ging dagegen mit der Bundesregierung hart ins Gericht. Das Problem im Lehrstellenbereich sei ein anderes, als die Regierung glaubhaft machen wolle. "Es gibt für viele Lehrstellen überhaupt keine geeigneten Bewerber." Das Bildungsniveau sei vielmehr drastisch gefallen. Auch Lubisch teilte Neukirchens Ansicht: "Das Problem liegt auf dem Bildungssektor. Die ursprüngliche Dreigliederung des Bildungsangebotes wurde durch die Schaffung der Gesamtschule aufgeweicht." Das frühere Selbstverständnis, dass die Hauptschule auf eine Ausbildung im Handwerk, die Realschule auf die kaufmännische Ausbildung und das Gymnasium auf das Studium vorbereite, gebe es nicht mehr. Eine klare Teilung bleibe aus. Der Gewerkschafter räumte Defizite beim Bildungsniveau der Schüler ein, "das muss verbessert werden", aber dennoch sei es falsch zu behaupten es gebe genug Lehrstellen, aber keine geeigneten Bewerber dafür.

Bernhard Ulrich