Schnellschüsse schaden – Ehrenamt vor Ort darf keinen Schaden nehmen

Von Dieter Welsink

Dieter Welsink, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der CDU-Neuss, erklärt: „Wer meint, Doping ist ein aktuelles Problem, der hat die letzten 40 Jahre im Sport verschlafen oder nutzt die aktuelle Situation für eigene Zwecke. Beides ist dem Sport nicht dienlich, weder in der überregionalen noch in der lokalen Diskussion um dieses für den Sport sehr wichtige Thema.

Nicht nur die unabhängige Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) begrüßt die öffentlichen Doping-Geständnisse der Radprofis als wichtigen Schritt im Kampf um Doping, sondern eine breite Öffentlichkeit in Sport und Politik. Nur durch diese offene Diskussion auf der Grundlage der Sportleraussagen besteht für den Sport die Chance, Glaubwürdigkeit in seine Bemühungen des Anti-Doping-Kampfes zu bringen. Aus diesem Grunde unterstütze ich ausdrücklich die Bemühungen um eine Kronzeugenregelung für die geständigen Sportler, die aktiv dazu beitragen, in die nationale und internationale Struktur des Dopings und seine Hinterleute Transparenz zu bringen.

Eine klare Definition, was Doping ist; gibt es nicht. Aufgrund der Vielfalt der angewendeten Wirkstoffe und der unterschiedlichen Methoden des Betruges ist es bisher nicht gelungen, den Begriff Doping zu definieren. Mit Einführung des WADA – Codes (Welt-Anti-Doping-Agentur) wird unterschieden in eine Reihe von Zuständen und Handlungsweisen, die als Doping geahndet werden:

  1. Die Anwendung oder der Versuch der Anwendung eines verbotenen Wirkstoffes oder einer verbotenen Methode.
  2. Verweigerung oder Versäumnis einer Dopingkontrolle.
  3. Verstoß gegen die Vorschriften einschließlich der Angaben zum Aufenthaltsort bei Kontrollen außerhalb der Wettkämpfe.
  4. Heimliche Beeinflussung der Dopingkontrolle.
  5. Besitz eines verbotenen Wirkstoffes/Hilfsmittels oder einer verbotenen Methode auch durch das Hilfspersonal des Sportlers.
  6. Der Verkauf oder die Weitergabe von verbotenen Wirkstoffen oder verbotenen Methoden.
  7. Die Verabreichung/Anwendung oder versuchte Verabreichung/Anwendung von verbotenen Wirkstoffen oder verbotenen Methoden.
Um welche Methoden es sich handelt und welche Wirkstoffe (Substanzklassen) verboten sind, findet man in der Verbotsliste der WADA, der so genannten Prohibited List, die einmal jährlich aktualisiert wird. Gültig ist immer die neueste Version. Diese wird von der NADA und den deutschen Sportverbänden übernommen und veröffentlicht.
Doch nicht nur im Leistungssport spricht man von Doping. Auch im Breitensport wird gedopt, vor allem wenn es darum geht, eine „gute Figur“ zu machen.

Was kann man tun:

Alle Sportveranstaltungen und alle Sportler unter Generalverdacht zu stellen, wäre sicherlich der falsche Weg. Es würde nicht nur saubere Sportler treffen, sondern auch die „Dopingsünder“ davon abhalten, sich zu outen und zur Aufklärung beizutragen. Dies sieht auch das Team MILRAM, der Rennstall von Erik Zabel, so und hat entschieden, dass der Sportler zunächst weiter fahren darf. Damit billigt der Sponsor nicht seine lange Zeit des Schweigens, erkennt aber sein Verhalten als wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung an, in der Hoffnung, das Zabels Offenheit Vorbildcharakter hat (vgl. Pressemitteilung vom 29.05.2007).
Selbstverständlich sind die Spitzen- und Fachverbände des Sports wie auch die Politik gefordert, den Prozess im Anti-Doping Kampf nun mit noch mehr Einsatz zu gehen. In diesem Zusammenhang unterstützen wir die bereits vom Bundeskabinett verabschiedete Verschärfung des Antidopinggesetztes als eine wichtige Maßnahme. Den Prozess können wir durchaus aber auch vor Ort begleiten. Eine Selbstverpflichtung von Veranstaltung oder Sportlern zum dopingfreien Wettkampf ist sicherlich nicht falsch, aber wie die Vergangenheit gezeigt hat, wenig verbindlich und kaum einklagbar. Wichtiger sind Maßnahmen der Prävention, die gerade kritische Momente einer Sportlerkarriere begleiten. Nicht nur junge Sportler benötigen Unterstützung, wenn die Grenzen der individuellen Leistungsfähigkeit erreicht sind oder wenn trotz intensivem Training der Erfolg ausbleibt, wenn die Erwartungen von Trainer, Eltern oder Sponsoren nicht erfüllbar sind, wenn die Konkurrenz verbotene Mittel nimmt, nach langen Verletzungen oder beim Kampf um freie Kaderplätze und der Erfüllung von Qualifikationsnormen.
Wir können die Laufbahnberater der Olympiastützpunkte in der Beratung unterstützen. Dies gilt für Probleme in der Schule, im Beruf, bei der Bundeswehr oder im Zivildienst, bei der Berufs- und Studienwahl. Alle diese Begriffe fallen unter das Konzept der dualen Karriereplanung, das die CDU-Politik seit Jahren in Kreis und Stadt Neuss unterstützt, aber auch dringend intensivieren muss, da die Anforderung an die Sportler von Jahr zu Jahr zunehmen.

Das Dopingproblem kann nicht allein durch Kontrollen und Sanktionen gelöst werden. In 2006 wurden 4517 Trainingskontrollen und 3679 Wettkampfkontrollen, und damit 8196 Gesamtkontrollen durchgeführt. Daraus ergaben sich 62 positive Analysen und weitere relevante Verstöße (Quelle: Doping-Bilanz der NADA für den Deutschen Sport 2006).

In der Dopingprävention müssen Lehrer, Funktionäre, Mediziner, Therapeuten, Journalisten, die Öffentlichkeit und die Gesellschaft Hand in Hand zusammenarbeiten. Die Problematik darf nicht allein auf den Sportler reduziert werden, auch die Strukturen, in die die Athleten eingebunden sind, müssen näher betrachtet werden. Vor Ort können wir für bessere Trainingsbedingungen mit qualifizierten Trainern sorgen, durch eine gute Aufklärung über die Risiken das Verhalten der Sportler lenken und über duale Strukturen die häufige soziale Benachteiligung von Sportlern abbauen. Dies gilt insbesondere für Sportler, die nicht oben angekommen sind und es versäumt haben, frühzeitig die Weichen für ein Leben neben dem Sport zu stellen.
Die CDU in Kreis und Stadt wird weiterhin an Ihren Vorstellungen und Konzepten arbeiten und gemeinsam mit dem Sport nach Lösungen suchen. Die Diskussionen und Ergebnisse des CDU-Stadtparteitags „Sport“ im letzten Jahr hat gezeigt, dass die CDU hinter dem Leistungssport in unserer Region steht. Die aktuelle Dopingproblematik wird daran nichts ändern.

Wir hoffen, dass die Tour de Neuss stattfindet und weiterhin dazu beiträgt, die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit unserer Region zu zeigen und die Verantwortlichen dabei kritische Momente und Situationen nicht unter den Tisch kehren, sonder sich der Diskussion stellen. Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter und Sponsoren haben unser Vertrauen weiterhin verdient.“