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Schavan: Kinder und Jugendliche ernst nehmen

11.05.2005 1 Minute Lesezeit
Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 11. Mai 2005

    Dr. Annette Schavan

    Dr. Annette Schavan

    Gestern musste sie ihren Werbefeldzug zugunsten der nordrhein-westfälischen CDU unterbrechen und im heimischen Stuttgart an einer Kabinettssitzung teilnehmen. Danach wird sie aber flug wieder gen Norden reisen, um der Union im Wahlkampf-Endspurt wertvolle Schützenhilfe zu leisten: die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Annette Schavan. Am Montagabend nutzte die gebürtige Neusserin ihr „Heimspiel“, um im Zeughaus vor rund 350 Gästen mit der Bildungs- und Schulpolitik der rot-grünen Landesregierung abzurechnen. Der warf sie vor, die junge Generation zu vernachlässigen, ein unzureichendes Schulgesetz initiiert zu haben („Alles alter Krempel“) und zu wenig in den Bildungsbereich zu investieren. Schavan: „Nichts ist teurer als zu wenig Geld für die Bildung auszugeben.“

    Aus ihrer Sicht müssten Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Forschung die „Herzstücke einer Landespolitik“ sein. Der NRW-SPD warf sie vor, über jahrzehnte die Hauptschule „systematisch zur Restschule“ gemacht zu haben, während alle Privilegien in die Gesamtschule gegangen seien. Umso entlarvender sei die Aussage von NRW-Schulministerin Ute Schäfer vor wenigen Wochen gewesen, wonach am Ende der 8. Klasse 25 Prozent der Hauptschüler nicht richtig lesen, schreiben und rechnen könnten. „Sozialdemokraten haben sich in der Vergangenheit immer über Strukturen unterhalten, aber nicht über Lernen und Leistung.“

    Ein besonderes Anliegen ist Schavan die berufliche Bildung. „Nicht die Abiquote eines Landes ist entscheidend. Zwei Drittel aller Jugendlichen durchlaufen einen Weg durch die berufliche Bildung.“ Aber am Ende müsse es weiter gehen, eine Perspektive vorhanden sein und ausreichend Ausbildungsplätze vorhanden sein. Als ein großes gesellschaftspolitisches Problem sieht Schavan an, dass die jungen Menschen zu spät in den Beruf eintreten und zu früh „zum alten Eisen“ gehören. Der Abiturient ist im Durchschnitt 19,7 Jahre alt, der Berufseinsteiger 28 Jahre alt und über 50 Jahre ist man heut nur noch schwer zu vermitteln. 20, 25 Jahre in der Berufstätigkeit - und der Rest als subventioniertes Leben? Das kann doch nicht richtig sein“, sagte sie unter dem Beifall der Gäste im Zeughaus.

    Das Ziel einer neuen Schulpolitik in NRW müsse lauten, sagte Schavan, „dass die besten Fünf eines Jahrgangs wieder Lehrer werden wollen“. Als oberste Maxime: „Kinder und Jugendliche ernst nehmen.“