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Heinz Sahnen mit 96,6% als Landtagskandidat nominiert

Sahnens „Krönungsmesse“

Für den bedächtigen Emsländer war's schon ein Temperamentsausbruch. "Jetzt geht's los" rief er strahlend in den mit über 150 Parteifreunden besetzten Beethoven-Saal des Dorint Hotels. Dort hatten 199 Tage vor der Landtagswahl die Christdemokraten Heinz Sahnen MdL mit 96,6 Prozent Zustimmung erneut zum CDU-Direktbewerber im Wahlkreis 44 aufgestellt, der erstmals mit dem Neusser Stadtgebiet identisch ist. Angesichts des "Traumergebnisses" sprachen Sahnens Parteifreunde augenzwinkernd dann auch schon von einer "Krönungsmesse". Zuvor war er bei seiner kämpferischen, 30-minütigen Vorstellung immer wieder vom Beifall des Auditoriums unterbrochen worden. Nachdem der Vorstand der Neusser SPD Anfang der Woche sich einstimmig für Innenminister Dr. Fritz Behrens als Kandidaten ausgesprochen hat, steht einer Neuauflage des Duells Sahnen vs. Behrens am 22. Mai wohl nichts mehr im Wege. 2000 siegte Sahnen mit neun Prozentpunkten Vorsprung.

Erstmals werden im Mai 2005 keine zwei Wahlkreise zur Landtagswahl das Stadtgebiet trennen. Bislang bildeten die südlichen Stadtteile gemeinsam mit Dormagen einen Wahlkreis. Den holte vor viereinhalb Jahren der Dormagener CDU-Chef Karl Kress direkt. Er, der nun im Wahlkreis 45 (Dormagen, Grevenbroich, Rommerskirchen) antritt, war gestern Gast der Sahnen-Kür.

Für den gastgebenden Vorsitzenden der Kreis-CDU, Hermann Gröhe MdB, ein Zeichen der solidarischer Verbundenheit: "Karl Kress ist in Neuss gern gesehen, denn er ist als Landtagsabgeordneter für die Belange des Neusser Südens eingestanden, hat für ihn gestritten."

Heinz Sahnen, ein 57-jähriger Berufschullehrer, hatte gestern Abend keinen Mitbewerber. Das war vor fünf Jahren anders. Damals musste er sich intern gegen Vize-Bürgermeisterin Angelika Quiring-Perl, Kreistagsabgeordnete Beate Pricking und PR-Fachmann Detlef Fleischer durchsetzen. Gestern genoss Sahnen ein Heimspiel. Er schwamm auf einer Welle der Sympathie. Das machte auch das Ergebnis deutlich.Unter den 149 abgegebenen Stimmzetteln waren lediglich fünf Nein-Voten und drei Enthaltungen.

Vorgeschlagen wurde Heinz Sahnen von seinem Nachfolger im Amt des Vorsitzenden der Neusser CDU, Cornel Hüsch. Der feierte den Kandidaten als "Mann der Stunde" und als "Mr. 70-Prozent". Hüsch erinnerte damit daran, dass Sahnen bei der Kommunalwahl seinen Wahlkreis in Erfttal mit 69,9 Prozent gewonnen hatte. Der "in Wahlen ungeschlagene" Sahnen verkörpere die "Grundprinzipien der CDU" und gestalte auch in Düsseldorf aus der Opposition heraus "Politik aktiv mit".

Diesen Beweis versuchte Sahnen dann auch anzutreten. In seiner sorgsam ausgearbeiteten Vorstellungsrede nannte er zwei Beispiele, wie erfolgreich in Neuss umgesetzte Modelle auch zum landesweiten Standard wurden. Erstens: Das Projekt Service-Wohnen, eine Kooperation der Bauverein AG und der Diakonie, wurde als bestimmendes Element in die Wohnungsbau-Förderrichtlinien des Landes für 2004 aufgenommen. Zweitens: In jedem Jahr organisiert Sahnen ein Gespräch mit Vertretern aus allen Neusser Sozialverbänden und der CDU mit Abteilungsleitern aus den Ministerien. Ein handfestes Ergebnis sei, dass angesichts der Erfahrungen des Neusser SKM und der Diakonie das Betreuungsgesetz geändert wurde.

In seiner Rede machte Sahnen deutlich, dass er in seinem Wahlkampf der Schulpolitik höchste Priorität einräumen wird. Er warf der Landesregierung vor, mit "ideologischen Scheuklappen" auf "totale Gleichmacherei" aus zu sein: "Es ist ein Skandal, wenn ein Viertel unserer Kinder nicht rechnen, schreiben und lesen kann. Hier versündigt man sich an unseren Kindern."