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Rüttgers: „Keine Stammzellen importieren“

27.09.2001 3 Minuten Lesezeit

    Im Rahmen Ihrer Gesprächsreihe zu Fragen der Biomedizin, Gentechnologie und Sterbebegleitung hatte die CDU in Neuss mit dem Landesvorsitzenden Dr. Jürgen Rüttgers einen weiteren prominenten Referenten zu Gast. Der ehemalige Forschungsminister stellte in seinem Referat die Thesen des von ihm maßgeblich bestimmten Papieres des CDU-Bundesvorstandes zum Thema dar.

    Zu Beginn hatte Stadtverbandsvorsitzender Cornel Hüsch nicht nur den profilierten Referenten begrüßt, sondern auch auf die veränderte Wertediskussion der letzten Tage hingewiesen. „Vor zwei Wochen stand das Thema Gentechnologie noch ganz oben auf der Tagesordnung. Nach den Anschlägen auf die USA beschäftigt sich die Wertedebatte zur Zeit intensiv mit den Fragen der Wehrhaftigkeit der Demokratie und der Toleranz.“

    Rüttgers führte zu Beginn aus, dass gerade freie Gesellschaften auf gemeinsame Werte angewiesen seien, um das Zusammenleben friedlich zu gestalten. „Wir Christdemokraten nehmen dabei unsere Ziele aus der Zukunft, während in anderen politischen Lagern postmoderne Beliebigkeit bestimmend ist, die nach Umfrageergebnissen und Opportunität schielt.“ 1984, bei seinem Amtsantritt als Bundesforschungsminister sei die Deutsche Forschung im Bereich Gentechnologie von der weltweiten Entwicklung abgehängt gewesen. Heute gehöre Deutschland zu den führenden Nationen in diesem Bereich. Dabei sei die Zustimmung zur sogenannten roten Gentechnologie, die sich mit der Erforschung und Heilung von menschlichen Krankheiten beschäftigt, mit 90% in der Bevölkerung überwältigend, während die grüne Gentechnologie keine Akzeptanz geniesse.

    Rüttgers machte klar, dass er als Prämisse seiner Ausführungen die Verschmelzung von Ei und Samenzelle als Beginn des menschlichen Lebens annimmt. Menschliches Leben dürfe aber zu keinem Zeitpunkt funktionalisiert und zum blossen Objekt eines anderen Menschen degradiert werden. Daher sei für ihn die Produktion von Embryonen sowohl zu Forschungszwecken als auch zu therapeutischen Zwecken unannehmbar. Dies gelte ebenfalls für die Technik des therapeutischen Klonens, die er grundsätzlich ablehnte.

    Vor diesem Hintergrund sei die Initiative von SPD-Ministerpräsident Clement, Stammzellen aus Israel zu importieren, nicht akzeptabel. „Sollten die Forschungen an embryonalen Stammzellen zu positiven Ergebnissen führen, würde dies sofort das therapeutische Klonen nach sich ziehen. Denn um Abstossungsreaktionen im Falle einer Therapie zu vermeiden, muss man die Technik des Klonens anwenden.“ Dies verstosse aber gegen die Menschenwürde des durch Klonen entstandenen Embryos, dem kein eigenes Lebensrecht zugebilligt würde, sondern das sofort getötet würde.

    Rüttgers warf Clement vor, eine gesetzliche Lücke für seine Initiative genutzt zu haben, ohne die Folgen zu bedenken.

    Im Bereich der PID zieht Rüttgers die Konsequenzen aus den geltenden Abtreibungsrecht. „Wenn die Mutter das Recht hat, wegen einer Behinderung eine Abtreibung vorzunehmen, ist es unbarmherzig, von ihr zu verlangen, sich einen offensichtlich geschädigten Embryo einpflanzen zu lassen.“ In einem eng begrenzten Umfang spricht sich daher Rüttgers für die PID aus. Gleichzeitig machte der Christdemokrat deutlich, dass er das zur Zeit geltende Recht, das Spätabtreibungen bis kurz vor der Ge-burt ohne Beratung ermöglicht, „für einen Skandal erster Ord-nung“ halte.

    Der von Bundeskanzler Schröder begründet Ethikrat wird von Dr. Rüttgers kritisch gesehen, denn „die Politik muss die Entscheidungen treffen und kann sie nicht an ein anderes Gremium abgeben.“

    Rüttgers sprach sich für eine Moratorium in diesen Forschungen aus. „Wir sollten uns nicht zu schnellen Entscheidungen zwingen lassen und erst alle Möglichkeiten der Forschung, die ohne Embryonen möglich sind, nutzen.“ Dazu zählte der Referent die Nutzung adulter Stammzellen, die ohne gesundheitliche Schäden entnommen werden können und die nicht die Tötung eines Embryos nach sich ziehen.

    Die anschliessende intensive Diskussion zeigte, dass sich die Christdemokraten in Neuss sehr ernsthaft mit diesem schwierigen Themenkomplex beschäftigen wollen. Die anschaulichen Schilderungen und Erklärungen des CDU-Landesvorsitzenden wurden von Hüsch ausdrücklich gelobt. „Ihre Darstellung ist eine ausgezeichnete Grundlage für eine ehrliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.“

    Die CDU wird die Diskussion am 4. Oktober – um 19.00 Uhr – mit einem Gespräch mit Stadtdechant König und Superintendent Schenck fortsetzen.