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Arbeitskreis Europa der CDU-Neuss mit neuer Führung

Polnischer Konsul sieht die Rückkehr seines Landes nach Europa

27.01.2003 3 Minuten Lesezeit

Polnischer Konsul sieht die Rückkehr seines Landes nach Europa (Foto: CDU / Christiane Lang)

Foto: CDU / Christiane Lang

Der Arbeitskreis Europa des CDU-Stadtverbandes Neuss konnte nach erneuter Einsetzung durch den CDU-Vorstand Neuss gleich mit einem Highlight aufwarten: Zu seiner ersten Sitzung im neuen Jahr, zu der mehr als 30 Mitglieder kamen, begrüßten die von den versammelten Mitgliedern einstimmig neu gewählten Leiter, Bärbel Kohler und Rechtsanwalt Dr. Jörg Geerlings, den stellvertretenden Generalkonsul Polens Janusz Styczek. Zu Beginn der Sitzung dankte der CDU-Vorsitzende Cornel Hüsch dem langjährigen Leiter Dr. Christian Henke für dessen engagierten Einsatz in diesem Arbeitskreis.

Dr. Geerlings eröffnete den Abend mit einem kurzen Referat zu den Vereinbarungen von Kopenhagen, die im Dezember des letzten Jahres „den endgültigen Schlussstrich unter ein geteiltes Europa setzten“ und zugleich die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union bedeuten.
Konsul Styczek betonte die immense Bedeutung des EU-Beitritts für sein Land. Es sei für Polen „eine Rückkehr nach Europa“. Nicht ohne Stolz wies er darauf hin, dass Polen bereits seit 1990 Mitglied der NATO sei. Vielen Bürgern Polens habe daher zunächst das Verständnis für die mehr als 12-jährige Verhandlungsdauer um den EU-Beitritt gefehlt. Doch sei dies angesichts der vielfältigen Probleme, die mit der Eingliederung einher gingen und der viel längeren Dauer beispielsweise der Verhandlungen der Türkei nachvollziehbar.

Für Polen, das mehr Einwohner habe als alle anderen Beitrittsländer zusammen, sei mit der Mitgliedschaft eine große Herausforderung verbunden. So habe allein der Gesetzgeber „Überstunden“ machen müssen mit der Umsetzung des Europäischen Gemeinschaftsrechts (aquis communitaire), was über 500 neue Gesetze und Verordnungen zur Folge gehabt habe. Wirtschaftlich habe man erheblichen Aufholbedarf. Inzwischen verzeichne man allerdings Erfolge mit zuletzt einer Inflation unter einem Prozent.

In Einzelbereichen gebe es aber noch große Unterschiede. So sei die starke Bauernlobby nach wie vor bedeutend und spiele politisch eine ähnliche Rolle wie in Frankreich. Diese stehe einer Europäisierung skeptisch gegenüber. Befürchtungen, Deutschland könne von „billigen“ Arbeitskräften überrannt werden, entgegnete der Konsul, dass dies allenfalls für den Niedriglohnbereich zutreffe. Bereits heute seien etwa 700.000 legale Arbeitskräfte aus Polen in der Bundesrepublik. Qualifizierte Arbeitskräfte würden ebenso in der Republik Polen benötigt und zudem auch dort gut bezahlt. Die EU habe des Weiteren eine siebenjährige Übergangsfrist für die völlige Aufhebung der Beschränkungen für polnische Arbeitnehmer beschlossen.

Eine große Rolle spiele in Polen nach wie vor die Kirche. Früher als einzige wichtige politische Gegenkraft zum kommunistischen Regime gingen auch heute noch die Menschen in die Kirche. Man sei vielleicht kritischer geworden, ohne jedoch den Glauben grundsätzlich in Frage zu stellen. „Der Papst ist in Polen ein Heiliger – Punkt!“, so der Konsul. Dies habe sich bei seinem begeisterten Empfang im Sommer 2002 gezeigt. Er sei zudem ein großer Unterstützer für den Beitritt gewesen, indem er gesagt habe, Europa bestehe aus zwei Lungenflügeln – einem westlichen und einem östlichen.

Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland nannte der Konsul als ausgezeichnet. Es gebe natürlich nach wie vor Ressentiments auf beiden Seiten. Man könne schließlich historische Ereignisse nicht wegdiskutieren, doch sei in den Jahren 1990 und 1991 durch die völkerrechtlichen Verträge beider Staaten das Verhältnis auf eine neue Grundlage gestellt worden. Die polnische Bevölkerung habe keine Angst mehr vor dem großen Nachbarn. Die polnische Bevölkerung sei sich bewusst, dass Deutschland der Anwalt Polens“ bei der EU-Mitgliedschaft gewesen sei. Stereotypen seien trotzdem immer noch da und zeigten sich etwa in den bekannten „Polen-Witzen“. Das liege auch in der unterschiedlichen Wirtschaftskraft beider Staaten begründet. Aber der inzwischen vielfach vorhandene Austausch, etwa durch Städtepartnerschaften, die es auch im Rhein-Kreis Neuss gebe, lerne man sich besser kennen. Die jungen Polen seien von Deutschland begeistert, so dass inzwischen mehr als 20.000 Polen in Deutschland studieren.

In der regen Diskussion, in der einige Mitglieder auch aus eigenen Kindheitserfahrungen berichten konnten, war einstimmiger Tenor, dass man in die gemeinsame Zukunft schauen müsse. Selbst zwei anwesende Vertriebene berichteten erfreut von einem Besuch in der ehemaligen Heimat, wo sie freundlich empfangen worden seien. Bärbel Kohler betonte, dass der Abend gezeigt habe, dass sich über die Vergangenheit trotz vieler persönlicher Erfahrungen auch in offener und unverkrampfter Weise diskutieren ließe und der Blick auf eine gemeinsame (europäische) Zukunft gerichtet sei. Teilnehmer regten an, dass man bei der Stadt Neuss eine Städtepartnerschaft mit Polen anregen solle.