#fürneuss

Startseite
Junge Union und Bürgermeister diskutierten

Plädoyer für die freie Kunstszene

27.03.2002 1 Minute Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 27.3.2002

Mitte der 80er Jahre, so Carsten Greiwe, habe die Kultur in Neuss einen "gewaltigen Innovationsschub" erfahren. Ohne den Namen des damaligen Kulturdezernenten und späteren Stadtdirektors Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff zu nennen, lenkte Greiwe den Blick auf die Initiativen des heutigen Düsseldorfer Stadtdirektors, der in Neuss kulturpolitische Nischen ausgestaltete.

Dafür stehen unter anderem das Kulturforum "Alte Post" und das "Globe" mit dem Shakespeare-Festival. Die Phase der Innovationen sei vorbei. Jetzt gehe es darum, so der kulturpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, den Bestand zu pflegen. Greiwe war gemeinsam mit Bürgermeister Herbert Napp zu Fragen der Kulturpolitik in Neuss bei der so genannten JU-Fraktion zu Gast. Napp stimmte Greiwe in der Beurteilung zu, wobei er auch die geplante Museums-Erweiterung zur Bestandspflege zählte.

Für "wesentliche Neuerungen" sei allerdings kein Geld vorhanden. So beklagte Greiwe einen "Investitionsstau" beim Stadtarchiv. Dies gelte dort insbesondere für den Brandschutz. Angesichts knapper städtischer Finanzmittel und vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen sechs Jahren bereits elf Millionen Mark im Kulturbereich eingespart worden seien, warnte Napp davor, bei notwendigem Kostenmanagement mit dem "Rasenmäher" die städtischen Ansätze zu reduzieren.

Es sei Aufgabe der Politik, Prioritäten zu setzen und Budgets flexibler zu handhaben. Es sei Aufgabe der Verwaltung, entsprechende Vorschläge zu formulieren: "Der Rat hat zu entscheiden, ob er ein Kulturprojekt auch aus dem Sporttopf finanziert - und umgekehrt." Napp und Greiwe plädierten - unter der guten Moderation von Jan-Philipp Büchler - unisono für eine stärkere Beachtung der "freien Kunstszene", die sich in "hoher Qualität" im Theater am Schlachthof (TaS) präsentiere.

Beide Christdemokraten räumten aber auch Vorbehalte innerhalb der Neusser CDU gegenüber dieser "freien Kunstszene" ein. Wer mit dem Hinweis, "dort engagiert sich nicht unser Klientel", auf Distanz zum TaS gehe, der schlage den Holzweg ein. Napp forderte vielmehr zum TaS-Besuch auf; Greiwe empfahl Diskussionen mit den Künstlern. Auch Graffiti-Künstler sollten weiterhin in Neuss arbeiten können.

Daher sei es richtig, dass am Konrad-Adenauer-Ring und an der Aurinstraße legale "Kunsträume" geschaffen wurden. Mit Nachdruck sprach sich der Bürgermeister für den Aufbau des geplanten Schützenmuseums aus. Diese Einrichtung sei wichtig für die Stadt, sinnvoll auf der Kulturmeile Oberstraße platziert, "aber auch anderswo denkbar, ehe es gar nicht kommt".
Ludger Baten