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Weitere Ausdehnung der Betreuungsangebote

Offene Ganztagsschule in der Stadt Neuss: CDU-Fraktion beschließt Experimentierphase

10.12.2003 4 Minuten Lesezeit

Die CDU-Fraktion hat einen Beschluss zur probeweise Einführung der Offenen Ganztagsschule in Neusser Grundschulen gefaßt. Die Entscheidung basiert auf dem Grundsatz, die Familien zu stärken und Kinder nicht alleine zu lassen. „Wir werden dem steigenden Betreuungsbedarf gerecht“, versichert Anna Maria Holt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Dazu wolle die CDU ein qualitativ hochwertiges Angebot für eine Betreuung gemäß dem bereits verabschiedeten Leitantrag „Betreuung von Kindern und Jugendlichen“. Die Vorstellungen des Landes NRW und der SPD zur Ausgestaltung der Betreuung seien jedoch unzureichend. Holt: „Wir fordern eine deutliche Steigerung der Qualität der Betreuung.“

In ihrem Beschluß spricht sich die CDU-Fraktion dafür aus, die Horte zu erhalten und nur für solche Standorte das Angebot einer offenen Ganztagsgrundschule zu beschließen, an denen ein erheblicher zusätzlicher Bedarf besteht. Gleichzeitig fordert die CDU die freien Träger auf, an ihren guten Angeboten festzuhalten.

Holt erinnert an das hervorragende Angebot durch freie Träger und die Betreuungseinrichtungen in Neuss, die bereits heute 24% aller Kinder im Grundschulbereich Betreuung am Nachmittag gewährleiste, dass auch bestehen bleiben soll. „Wir sind zu finanziellen Leistungen zur Erfüllung des Ziels bereit. Land und Bund müssen aber ebenfalls ihren Verpflichtungen zuverlässig nachkommen, wenn sie bestimmte Vorgaben machen“, sicherte Ursula von Nollendorf, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, vor. Skepsis äußerte sich aus Erfahrung über die dauerhafte Sicherung der Zusagen. Die CDU-Fraktion stimme der Verwaltungsvorlage und dem darin ausgearbeiteten Rahmenkonzept grundsätzlich zu und sehe sich in ihren Überlegungen eines eigenen „Neusser Modells“ bestätigt, das den Forderungen der CDU gerecht werde, jedoch um einige Punkte zu erweitern sei.

Die CDU empfiehlt, vier Schulen im Rahmen eines Pilotprojekts für eine Experimentphase als Offene Ganztagsgrundschulen (OGS) nach einem „Neusser Modell“ als Angebotsergänzung beim Land NRW zu beantragen: die Grundschulen in Uedesheim, Grimlinghausen, Derikum und Reuschenberg, wobei die Zustimmung der Schulkonferenz vorausgesetzt wird.

Fest stehe auch, so Thomas Nickel, stellvertretender Bürgermeister, dass die Erziehung die originäre Aufgabe der Eltern sei. Nickel: „Der elterliche Erziehungsauftrag wird durch schulische und außerschulische Bildung ergänzt, aber nicht ersetzt.“

Die CDU-Fraktion erwartet, dass die Schulen in Kooperation mit den freien Trägern sicherstellen, dass Kinder, die im Rahmen der OGS nach dem „Neusser Modell“ betreut werden, auch Veranstaltungen freier Träger besuchen können (z.B. Sportvereine, Jugendarbeit der Kirchen, Kommunion-Katechese), auch wenn sie nicht Teil des Angebots der OGS sind. Das Prinzip der Freiwilligkeit sichere Zur Finanzierung haben die CDU-Schulexperten der Fraktion einen Vorschlag ausgearbeitet: „Die Eltern zahlen einen innerstädtisch einheitlich festgelegten Kostenbeitrag für die Nachmittagsbetreuung. Die Verwaltung wird beauftragt, hierzu eine unbürokratische Regelung mit sozialer Staffelung vorzulegen.“ Ausserdem ist es der CDU wichtig, die vorherige Bedarfsermittlung an nachmittäglichen familien- und schulergänzenden Angeboten im Vorfeld einer Beantragung durch den Schulträger qualitativ und quantitativ zu erheben. Nickel: „Sie bildet die Grundlage einer Konzeption. Der Elternwille ist bei der Zusammenstellung des Angebots zu berücksichtigen.“

Die notwendige Kooperation zwischen Lehrern und sozialpädagogischem Personal bedürfe auch einer institutionellen Absicherung durch die Schulkonferenz und der Definition der Arbeitsteilung. Zur Qualität der Mitarbeiter und Honorarkräfte fordert die CDU, dass sie begleitet aus- und weitergebildet werden, um die Voraussetzungen zu erfüllen. Ein Zugriff auf andere Räumlichkeiten wie Turnhallen, Sportstätten, Musikräume und andere städtische Räume müsse flexibel gehandhabt werden.


Begleitende Begründung:

Für die CDU steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt. Nach Auffassung der CDU sind die Eltern in erster Linie für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich. Öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Horte und Schulen begleiten, fördern und ergänzen die Erziehungsarbeit der Eltern.

Auf dem Hintergrund zurückgehender Geburtenzahlen und einer fortschreitenden Alterung der Gesellschaft sind die Erziehung von Kindern sowie eine qualitativ hochwertige Schulbildung und die darüber hinausgehende Förderung von Kindern und Jugendlichen wesentliche politische Ziele der Neusser CDU.

In Zusammenarbeit mit freien, oft christlichen Trägern verfügt die Stadt Neuss über ein umfassendes Betreuungsangebot für Kindergarten- und Schulkinder über die Kernschulzeiten hinaus auch am Nachmittag. Aufgrund geänderter gesellschaftlicher Bedingungen und mit dem Ziel der besseren Vereinbarkeit von Familienbetreuung und Berufstätigkeit beider Elternteile sieht die CDU Neuss die Notwendigkeit, die Betreuung auch von Grundschulkindern in Neuss über das bisher vorhandene Maß hinaus auszuweiten. Die Fortführung und Erweiterung vorhandener bewährter Betreuungseinrichtungen und –maßnahmen (13 Plus, SiT und Horte) wird durch den Rückzug der Landesregierung aus der Förderung dieser Einrichtungen zugunsten der OGS bewusst verhindert.

Dem Modell der OGS der nordrhein-westfälischen Landesregierung setzt die CDU das „Neusser Modell“ entgegen. Sie setzt sich damit das Ziel, die Grundschulkinder in Neuss nicht preisgünstig zu verwahren, sondern sie in pädagogisch hochwertiger Betreuung zu fördern und damit die Erziehungsaufgabe der Eltern und die Bildungsaufgabe der Schulen zu ergänzen.