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Workshop des Stadtsportverbandes Neuss

Offene Ganztagsschule auch für Sportvereine relevant

02.01.2004 3 Minuten Lesezeit

Die offene Ganztagsschule (OGS) kann für die Sportvereine Chancen beinhalten, allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt und fordern eine hohe Professionalität. Das verdeutlichte Dr. Hermann-Josef Baaken, Vorsitzender des Turn- und Sportvereins Norf, einem der größten Neusser Sportvereine, bei einem Workshop des Stadtsportverbandes Neuss. Der CDU-Ratsherr ermahnte deshalb die Vereine, eine Beteiligung zwar zu prüfen, allerdings die Konditionen genau abzuschätzen: „Die Vereine arbeiten bereits am Limit und haben Schwierigkeiten, Übungsleiter zu begeistern.“ Das neue Angebot dürfe nicht zu einer Verwahranstalt verkommen, sondern den sportlichen Anforderungen gerecht werden. Er mahnte davor, dass durch die längere Bindung der Kinder am Nachmittag in der Schule und ergänzende Bewegungs- und Spielangebote in der Schule die Kinder voraussichtlich kaum noch motiviert seien, die Angebote eines Sportvereins zu nutzen.

Zur Beteiligung an der OGS werde zusätzliches Personal benötigt, das qualifiziert sein muss. Dabei kann es zu Kapazitätsumschichtungen, die zu anderen Zeiten zu Reduzierungen des Angebots führen, kommen. Der Verein begibt sich in den Wettbewerb mit anderen Anbietern und kann den erforderlichen und Standard möglicherweise nur begrenzt erfüllen.

Baaken: „In der Kooperation besteht aber auch die Chance, das sportliche Angebot auszudehnen und damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge zu leisten. Die Verbindung zu Vereinen wird hierdurch auf natürliche Weise hergestellt und es besteht die Möglichkeit, darüber hinaus sogar Talente zu entdecken.“ Da die Auswirkungen dieser fundamentalen Änderungen der Schulpolitik noch nicht überschaubar seien, verlangten sie einen Umgang mit Augenmaß allenfalls in einer Probephase an wenigen Standorten.

Der Vereinsvorsitzende findet es bedauerlich, dass die Trennung zwischen Schule und Freizeit sukzessive ausgehebelt wird und die Jugendlichen nicht mehr den nötigen Freiraum für außerschulische Angebote haben. Die Möglichkeiten zur flexiblen Entfaltung werde beeinträchtigt und die individuelle Entwicklung der Kinder eingeschränkt.

In einem Forderungskatalog artikulierte der Sportpolitiker vor führenden Vereinsvertretern und Experten der Stadtverwaltung, was aus seiner Sicht Vereine erwarten sollten:

1.
Eine umfassende Kommunikation über das Thema an die Sportvereine über Möglichkeiten und Grenzen ist dringend erforderlich

2.
Eine Kontaktaufnahme von Schulen zu Vereinen zur Auslotung von Möglichkeiten ist im Einzelfall erforderlich und zwingend geboten, evtl. unter Vermittlung von Experten des Kreis- und Stadtsportverbandes

3.
Die Beteiligung von Sportvereinen, soweit einzelne Vereine die Bereitschaft signalisieren, ist zu sichern.

4.
Verabschiedung einer Rahmenvereinbarung mit den Sportvereinen, die deren Qualität der Arbeit sichert. Die arbeitsvertraglichen Regelungen müssen eindeutig geklärt sein.

5.
Eine Beteiligung ist nur bei Nachweis einer Übungsleiter-Ausbildung möglich. Die Honorare / Stundenlöhne müssen wettbewerbsfähig sein und nicht zu Verschiebungen des ehrenamtlichen Gefüges führen.

6.
Angebote von Sportvereinen sind den Angeboten von privaten oder kommunalen Anbietern vorzuziehen. Dies muss in einer Rahmenvereinbarung gesichert werden.

7.
Der Verein benötigt in der Anfangsphase Starthilfe inhaltlicher und organisatorischer Art seitens der Stadt Neuss oder der Sportverbände, die ebenfalls zu finanzieren ist

8.
Die Vereinbarungen müssen verläßlich sein und immer mindestens für ein Schuljahr erfolgen.

9.
Neu gegründete Kooperationen sollen die bereits vorhandene langjährige Zusammenarbeit mit Sportvereinen bewahren und fortsetzen.

10.
Sportvereine müssen in der OGS die Möglichkeit haben, ihre Ziele umzusetzen.

11.
Bestehende Angebote dürfen durch vereinbarte Kooperationen nicht verhindert, verdrängt oder ersetzt werden.

12.
Die Schule stellt sicher, dass die Kinder einer OGS am Nachmittag auch Angebote der Sportvereine besuchen können, die kein Teil des Angebotes der OGS sind.

13.
Ehrenamtliche, nebenamtliche Kräfte und Honorarkräfte müssen begleitet aus- und weitergebildet werden, um die Voraussetzungen zu erfüllen.

14.
Die Möglichkeiten der Bezuschussung von Bund und Land sind auszuschöpfen, z.B. für Investitionen. Bereits vorhandene Räume außerhalb des Schulgeländes haben Vorrang vor Räumen in der Schule. Hierbei sind auch die räumlichen Möglichkeiten von Sportvereinen mit einzubeziehen.