Nickel: Unsere soziale Verpflichtung nicht vergessen

Vize-Bürgermeister erinnerte an die christliche Tradition von Herbert Karrenberg und Franz Josef Schmitt und deren bleibendes Vermächtnis für Neuss als soziale Großstadt.
Das Jahr 2012 war ein „Jahr des Abschieds“. So formulierte es der stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel (CDU) am Sonntag beim Patronatstag der Neusser Artillerie. „Rat und Verwaltung gedenken besonders des Todes von Franz Josef Schmitt.“ Der langjährige Oberstadtdirektor war kürzlich an einer schweren Krankheit gestorben. Dabei schlug Nickel einen weiten Bogen exakt 30 Jahre zurück: Im Jahre 1982 musste Neuss plötzlich und unerwartet von seinem amtierenden Oberbürgermeister Herbert Karrenberg Abschied nehmen. „Karrenberg und Schmitt sind auch zukünftig zwei herausragende Persönlichkeiten, die für die soziale Großstadt Neuss stehen“, erklärte Nickel. „Für mich persönlich bleiben sie Vorbilder für eine sozial verantwortete Kommunalpolitik, die ihr Ohr immer auch am Bürger hat.“ In sehr persönlich gehaltenen Worten, blickte der Vize-Bürgermeister auf die beiden Persönlichkeiten zurück.

Oberbürgermeister Herbert Karrenberg habe er 1977 kennengelernt. „Herbert Karrenberg hat mich mehrfach ermutigt, in Holzheim verstärkt aber auch in Neuss für die CDU und die Stadt tätig zu werden. Den Erfolg, dass ich 1984 in den Stadtrat einzog hat er leider nicht mehr erlebt.“ Oberstadtdirektor Franz Josef Schmitt habe er dagegen erst als aktiver Kommunalpolitiker kennengelernt. „Schmitt stand mir mehrmals mit seinem wertvollen Rat zur Seite und hat mich auch zur einer dezidiert christlichen Politik ermuntert“, erinnert sich Nickel. In einer ausführlichen Würdigung erinnerte er an den Werdegang von Schmitt, der 1961 gemeinsam mit Karrenberg in den Stadtrat gewählt wurde. „Zusammen mit Hermann Wilhelm Thywissen gehörten sie zu den Architekten der sozialen Großstadt Neuss.“

Franz Josef Schmitt kam aus der katholischen Jugend von St. Quirin und blieb Zeit seines Lebens von seinem katholischen Glauben geprägt. Bereits zwei Jahre nach seiner Wahl in den Stadtrat avancierte er zum jüngsten Beigeordneten in Nordrhein-Westfalen. 1970 wurde er zum Stadtdirektor, 1971 zum Oberstadtdirektor gewählt. Nickel hob auch das ehrenamtliche Engagement Schmitts nach dessen Ausscheiden aus dem Vorstand der RWE (1985 bis 1997) bei den Neusser Augustinerinnen und bei deren Stiftung „Cor unum“ hervor.

Vor der Artillerie erinnerte Schützenpräsident Nickel ebenso daran, dass Schmitt nur ein einziges Mal als aktiver Schütze beim Schützenlustzug „Bänkelsänger“ über den Markt marschiert sei. „Dennoch war er dem Neusser Schützenwesen immer herzlich verbunden.“ Im Jahre 1989 war Schmitt einmaliger Ehrengast des Neusser Bürger-Schützenvereins. Aufgrund seiner Verdienste zeichnete der Verein ihn mit dem Goldenen Ehrenzeichen aus.

Sowohl Karrenberg als auch Schmitt hätten ihr soziales Engagement direkt aus ihrer christlichen Überzeugung heraus gefolgert. „Dieser Tradition müssen wir in Neuss auch in schweren Zeiten verpflichtet bleiben“, sagte Nickel weiter. In Zeiten, in denen die Kommunalpolitik immer weniger Geld zur Verfügung habe, dürfe die soziale Verantwortung nicht aus dem Blickfeld geraten. „Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, dass die Stadtverwaltung die soziale Tradition von Neuss vergessen hat“, kritisiert Nickel mit Blick auf die teilweise sehr weitgehenden Kürzungsvorschläge des Rathauses, denen die CDU-Fraktion teilweise nicht, teilweise nur widerwillig gefolgt sei.