Neusserin am Kabinettstisch

Annette Schavan
Annette Schavan

Alle guten Dinge sind drei: Vor anderthalb Jahren galt sie als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin und unterlag bei der Nominierung nur knapp Horst Köhler. Wenig später sahen einflussreiche Kräfte sie als mögliche Nachfolgerin von Erwin Teufel als Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg. Jetzt hat Annette Schavan den großen Karrieresprung geschafft: Die designierte Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die 50 Jahre alte Neusserin gestern als Bildungsministerin in ihr Kabinett geholt.

Annette Schavan wurde in Jüchen geboren, wuchs aber in Neuss auf. Am Nelly-Sachs-Gymnasium baute sie 1974 ihr Abitur. Von 1974 bis 1980 studierte sie Erziehungswissenschaft, Philosophie und Katholische Theologie und promovierte 1980 mit einer Arbeit über Gewissensbildung zum Dr. phil. Sie war von 1980 bis 1984 als wissenschaftliche Referentin bei der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk tätig, von 1984 bis 1987 als Abteilungsleiterin für außerschulische Bildung im Generalvikariat in Aachen und hat zwei Jahre die Aufgaben einer Bundesgeschäftsführerin der Frauen Union der CDU wahrgenommen. Sie war danach (bis 1995) sieben Jahre Leiterin des Cusanuswerkes, eines bundesweit tätigen Institutes der Begabtenförderung.

„Kommunalpolitik ist nicht die unterste Stufe der Politik. Kommunalpolitik ist das Fundament der politischen Kultur.“ Diese Überzeugung prägt auch ihr heutiges politisches Selbstverständnis, nach dem sie von Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre in der Kommunalpolitik in Neuss tätig war. Von 1982 bis 84 war sie jüngstes Ratsmitglied.

Seit 1995 ist sie Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Sie führte unter anderem die Fremdsprache ab der ersten Klasse, das achtjährige Gymnasium, die neue Oberstufe mit der Betonung der Kernkompetenzen sowie die neuen Bildungspläne für alle Schularten ein, die erstmals Bildungsstandards definieren und den Schulen weitere Freiräume in der Gestaltung des Unterrichts geben. „Das gegliederte baden-württembergische Schulwesen ist Voraussetzung dafür, jedes Kind und jeden Jugendlichen nach seinen jeweiligen Begabungen zu fördern und zu fordern. Zugleich ist das System so offen, dass es eine Vielzahl individueller Bildungswege ermöglicht und jederzeit einen Anschluss an einen nächsthöheren Bilungsabschluss ermöglicht.“

Annette Schavan gehört dem Landesvorstand der baden-württembergischen CDU an. Seit 2003 hat sie den Vorsitz einer Kommission, die unter dem Titel „Baden-Württemberg 2012“ ein neues Grundsatzprogramm der CDU Baden-Württemberg erarbeitet. Annette Schavan wurde im November 1998 beim Bundesparteitag zur stellvertretenden Vorsitzenden der CDU Deutschlands gewählt und im November 2002 in diesem Amt bestätigt. 2001 war sie Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK). Seit 2003 ist sie Koordinatorin der unionsgeführten Länder in der Kultursministerkonferenz.