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Neuss: "Großes Potential" für virtuellen Markt

28.07.2000 2 Minuten Lesezeit
Westdeutsche Zeitung vom 28.07.2000

    Das Internet entwickelt sich rasant. In Deutschland ist mittlerweile jeder Achte online. Kein Wunder also, dass sich der Handel über das World Wide Web - der Electronic (E-) Commerce - ein schnell wachsender Wirtschaftsfaktor geworden ist. Die neuesten Prognosen der Marktforscher von Forrester erwarten, dass in Deutschland im Jahre 2004 rund 400 Milliarden Euro über das Internet umgesetzt werden. Doch welches Stück kann sich Neuss von diesem Kuchen abschneiden?

    Eine "Riesenchance für Neuss" sieht Ratsherr Jens Hartmann im E-Commerce. Als Leiter des CDU-Arbeitskreises "Neue Medien" beschäftigt sich der Elektroingenieur intensiv mit den wirtschaftlichen, sozialen, politischen und rechtlichen Auswirkungen des Internet.

    Der Internet-Handel spielt sich nicht nur virtuell ab, eine bloße Internet-Adresse reicht nicht aus. "Es besteht ein großer Bedarf im logistischen Bereich", erklärt Hartmann. Denn um die Waren an den Endverbraucher zu bringen, brauchen die E-Commerce-Firmen große Distributionszentren. "Hier liegt das Potential von Neuss", so Hartmann, "mit dem Hafen, der sehr guten Autobahnund Schienenanbindung haben wir eine hervorragende logistische Lage." Den jüngsten Beweis hierfür lieferte in der vergangenen Woche der Verkauf des Nissan-Komplexes im Gewerbegebiet Bonner Straße. Ein US-amerikanischer Investor plant hier ein großes Distributionscenter.

    "Aber", wendet Hartmann ein, "das Internet wird nicht von den neuen Firmen dominiert." Er appelliert an die Neusser Einzelhändler, das neue Medium als Ergänzung zum herkömmlichen Handel zu betreiben. Jeder solle für sich abwägen, ob seine Waren für den elektronischen Verkauf geeignet seien oder ob das Internet nur als Katalog für die Ware dienen könne. Gerade die Sparten Tonträger, Computer, Reisen oder Bücher könnten vom E-Commerce am stärksten profitieren. Zwar seien vor allem im letzteren Bereich große Anbieter wie "Bol" oder "Amazon" Marktführer. Doch diese Firmen arbeiteten derzeit nur mit Verlust, wie Hartmann weiß. Hier biete sich aber Neusser Buchhändlern eine Chance für zusätzliche Umsätze. Hartmann: "Es muss eine Symbiose geben aus bestehendem Handel und neuen Angeboten."

    Um diesen Service auch bekannt zu machen, fordert der Stadtverordnete, die Neusser E-Commerce-Angebote zu bündeln. "Wir brauchen eine Allianz des Einzelhandels", so Hartmann. So könne beispielsweise der City-Treff eine Internet-Eingangsseite anbieten, die auf die Neusser Online-Angebote hinweist und den potentiellen Kunden direkt dorthin verbindet: "Neuss muss vernetzt werden", um auf dem Markt der Zukunft mithalten zu können.

    Von Andreas Sünder