#fürneuss

Startseite
Herrenabend der Bürgergesellschaft im Zeughaus

Napp in ungewohnter Rolle

28.03.2004 2 Minuten Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 27. März 2004

    Bürgermeister Herbert Napp

    Bürgermeister Herbert Napp

    Ausgehend vom christlichen Menschenbild schärfte Herbert Napp seinen liberalen Politikentwurf: "Jeder ist sein eigener Herr, solange er seine Freiheit nicht auf Kosten der Würde Dritter sucht." Diese Freiheit sei unveräußerlich. Sie fußt auf der Würde des Menschen. Diese dürfe von niemanden in Frage gestellt werden, da sie von Gott gegeben sei.
    Für sich als christlich geprägten Bürgermeister leitet er den Auftrag ab, allen Bürgern der Stadt gleichermaßen verpflichtet zu sein. Diese Sichtweise ("Keine Gruppe darf bevorzugt werden") mögen CDU-Strategen als Kampfansage unter Parteifreunden verstanden haben: Begründet so doch der Christdemokrat Napp, warum er sich nicht an die Partei- und Fraktionsdisziplin gebunden fühlen darf.

    Doch Napps Botschaft richtete sich nur am Rande an die politisch Handelnden, er focussierte seinen Ansatz auf die Menschen. Nach seiner Überzeugung ziele christliche Politik niemals auf ein bestimmtes Klientel: "Damit unterscheiden wir uns besonders von jenen, die nur einem Milieu oder beispielsweise nur den so genannten Leistungsträgern verpflichtet sind."

    Damit hatten auch SPD/Grüne und FDP ihr Fett weg. Napp wendet sich gegen Sozialismus ("Denkt in Systemen, die dem Menschen vom Staat her das Heil bringen sollen") und plädiert für das freiheitliche Prinzip der Subsidiarität: "Dasjenige, was der Einzelmensch aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht entzogen werden. Das verstieße gegen die Gerechtigkeit."

    Herbert Napp sprach beim traditionellen Herrenabend der Bürgergesellschaft, die ihr 143. Stiftungsfest feierte. Vor über 120 geladenen Gästen im Zeughaus ging der Bürgermeister "mit christlichen Werten in die Offensive". Ihm gelang eine der besten Reden seiner Amtszeit. Der Jurist auf dem Rathaus-Chefsessel, eher ein Pragmatiker, kam so programmatisch daher wie selten.

    Dabei schlug er stets die Brücke von der grundsätzlichen, christlichen Überzeugung zur praktischen Umsetzung in der (Kommunal-)politik. Beispiel Familie. Für den dreifachen Vater, der jetzt mit einer "neuen Frau an meiner Seite" durchs Leben geht, ein heikles Thema - insbesondere in einer Rede, in der es um christliche Werte geht. Napp bezeichnete die Familie als "Keimzelle des Staates".

    Das bedeute aber nicht, dass Politik eine bestimmte Lebensform vorschreiben dürfe: "Dies liegt in der Freiheit des Einzelnen." Aus der Erkenntnis über die Bedeutung der Familie folgert er konkrete Aufträge an die Politik: ein bedarfsgerechtes, flächendeckendes Kindergartenangebot und in gleicher Weise Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche.

    Napps Rede entlockte am Donnerstag auch jenen ein Lob, die nicht zu seinen Claqueuren zählen. Altmeister Dr. Heinz Günther Hüsch erlebte einen "überzeugenden Bürgermeister, der eine Facette geschliffen hat, die ich gern öfter sehen würde". Stadtdechant Jochen Koenig freute sich über "klare Aussagen" und ein Bekenntnis zur Politik, die sich an christlichen Werten orientiert.

    Die Note "gut" gab auch Gastgeber Dr. Hermann-Josef Kallen. Der "Bürger"-Präsident erwartet in Kürze die Baugenehmigung für die Neugestaltung des Gesellschaftshauses an der Mühlenstraße.

    Den finanziellen Aufwand für die Gesellschaft schätzt er auf 550.000 Euro; 410.000 Euro seien bereits eingegangen: "Wir werden die fehlenden Mittel noch erhalten. Und wenn ich mich hier im Saal einmal umsehe, bin ich sicher, dass der eine oder andere in seiner Schatulle noch eine Spende für diese gute Sache bereithält."

    Ludger Baten