„Mehr Inititiative der Inhaber“

Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 24. Oktober 2006

Karl Heinz Baum
Karl Heinz Baum

Urbanes Leben in Innenstadt und Stadtteilen lautete der Themenbereich einer Arbeitsgruppe beim CDU-Stadtparteitag am Wochenende. Die NGZ sprach mit Karl Heinz Baum, Vorsitzender des städtischen Planungsausschusses und Leiter des Arbeitskreises, über Schwerpunkt-Themen. Baum wird heute zusammen mit Dr. Bernd Koenemann (CDU), Vorsitzender des Beirates der Stadthafen GmbH, und Reiner Breuer (SPD), Vorsitzender des Wirtschafts- und Liegenschaftsausschusses, zur Expo Real-Messe nach München fahren, wo unter anderem das Rennbahn-Projekt von der Stadt vorgestellt wird.

Herr Baum, die Themen in der von Ihnen geleiteten Arbeitsgruppe waren sehr breit gefächert. Verabschiedet wurden zehn Handlungsfelder. Welche Vorhaben genießen Priorität?

Karl Heinz Baum In erster Linie das Projekt „Galopp sucht mehr“, also der Umbau der Galopprennbahn. Dort steht jetzt unmittelbar die Grundsatzentscheidung an mit der Frage, mit welchem konkreten Betriebsmodell weiter verfahren werden soll. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Entwicklung am Hafenbecken I, wobei dies aus planungsrechtlichen Gründen etwas längerfristig zu sehen ist. Eine wichtige Frage ist darüber hinaus der ehemalige Omnibusbahnhof. Dort müssen wir alle schon im Hinblick auf die freigelegten archäologischen Funde weiter kommen.

Die Einbindung der Münze ist neu?

Baum Nein, die Modernisierung der Münze als wichtige Verbindung zwischen Hauptstraßenzug und Busbahnhof ist in älteren Planungen der CDU vorhanden. Die Menschen dürfen keine Hemmungen haben, durch die Münze zu gehen, um zum Busbahnhof zu kommen.

Sie haben sich auch mit Immobilien- und Standortgemeinschaften befasst. Was steckt dahinter?

Baum Es geht darum, die Marketingaktivitäten der Stadt mit solchen Gemeinschaften zu unterstützen. Immobilienbesitzer und Geschäftsinhaben sollen selbst mit dazu beitragen, in einem wünschenswerten Umfeld zu agieren. Es handelt sich um einen freiwilligen Ansatz und um Eigeninitiative.

Wie realistisch ist ein gemeinsames Vorgehen und eine „solidarische Gesamtstrategie“, von der Sie sprechen?

Baum Ich weiß, dass es schwierig ist. In Hamburg und Hessen funktionieren solche Gemeinschaften. Entscheidend ist, dass es keine Veränderung des Bewusstseins bei den Handelnden gibt. Die Stadt ist nicht für alle und alles verantwortlich und zuständig.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang von BID, Business Improvement District, als einen möglichen neuen Lösungsansatz. Was verbirgt sich dahinter?

Baum Gemeint ist ein Stadtentwicklungsmodell, das sich an der Erneuerung von innerstädtischen Quartieren und Stadtteilen orientiert und auf die eben genannte Eigeninitiative der lokalen Wirtschaft beruht. BID geht über den üblichen Handlungsrahmen der Stadt hinaus, sozusagen als Mehrwert, den die Stadt mit ihren begrenzten finanziellen Mitteln nicht in wünschenswertem Umfang leisten kann.

Setzt dieses Modell nicht aktive, engagierte Geschäftsinhaber und Immobilienbesitzer voraus? Kommen Ihnen dabei keine Zweifel?

Baum Eigentlich nicht. In Grevenbroich haben wir gerade erlebt, dass sich in Sachen Sauberkeit eine solche Gemeinschaft gebildet hat. Ich bin überzeugt, dass sich die Betroffenen, also Immobilienbesitzer und Einzelhändler engagieren werden. Schließlich geht es darum, ihren Standort gegenüber Filialisten und Billigläden zu stabilisieren und zu attraktivieren.

Aufgerufen wurde auch wieder der Dauerbrenner Straßenbahn. Wie soll denn dieses schier endlose Thema gelöst werden?

Baum Wir sind dabei, dies zu konkretisieren. Ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details sagen. Ende des Jahres wird die CDU mit ihren Vorstellungen in die Öffentlichkeit treten.

Mit einer konsensfähigen Lösung? Die SPD hat im Falle einer Herausnahme der Straßenbahn aus dem Hauptstraßenzug bereits mit einem Bürgerbegehren gedroht.

Baum Damit muss man sich politisch auseinander setzen. Es geht darum, die Bürger zu überzeugen und Mehrheiten zu gewinnen.