„Kein Karriereknick mit Kind“

Westdeutsche Zeitung vom 12. April 2011

Helga Koenemann
Helga Koenemann

Die WZ sprach mit der Vorsitzenden der Neusser Frauen Union Helga Koenemann.

WZ: Frau Koenemann, vor einem Jahr haben Sie Rita Hau an der Spitze der Frauen Union abgelöst. Was unterscheidet sie?

Koenemann: Wir haben einen anderen Werdegang. Und eine andere Sicht auf Frauenpolitik. Das ist ganz normal, das ist auch eine Generationenfrage.

WZ: Die Frauen Union ist ein zurückhaltender Verein, der kaum einmal öffentlich auftritt. Richtig?

Koenemann: Nicht richtig. Wir hatten früher auch öffentliche Veranstaltungen und sind auch auf andere Frauengruppen zugegangen, zum Beispiel auf Migrantinnen. Dennoch streben wir jetzt ein anderes Auftreten an, mit anderen Forderungen.

WZ: Sie sind als Anwältin berufstätig, haben Politikerfahrung aus Kreistag und Stadtrat. Was wollen Sie an der Spitze der Frauen Union?

Koenemann: Frauen motivieren, politisch tätig zu sein. Sich in einer Partei zu engagieren, am besten natürlich in unserer. Ich möchte weiter mit den anderen kämpfen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Und dass Kinder nicht immer noch für Karriereknick stehen. Frauen sollen nicht gedrängt werden zu arbeiten. Aber sie müssen sich entscheiden können.

WZ: Frauen in die Politik: Was halten Sie von der Quote?

Koenemann: Ich habe mich schon früh damit beschäftigt, 1989 im Kreistag ging das los, angestoßen von Rita Süssmuth. Da hatte ich mich gerade als Anwältin niedergelassen und dachte: Was soll ich mit der Quote? Jetzt denke ich anders. Männer waren immer besser vernetzt als wir, aber jetzt holen wir auf, auch dank der Quote. Frauen müssen jetzt einfach gewählt werden, wenn das Quorum stimmt. Gut so. Und schließlich vermindert die Quote die Konkurrenz der Frauen untereinander. Nicht zu vergessen: Wir haben das Grundgesetz auf unserer Seite.

WZ: Ist Neuss ein besonders struktur-konservatives Pflaster?

Koenemann: Ja, schon. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht: Konservative sind ansprechbarer. In der SPD zum Beispiel dauert es genau so lang, bis Frauen sich durchsetzen.

WZ: Was sind Ihre Ziele für die Frauen Union in den nächsten zwei, drei Jahren?

Koenemann: Im Rat wie im Kreistag wollen wir weiter um Mandate für Frauen kämpfen. Innerhalb der Partei genauso, da sieht es ja in Neuss schon ganz gut aus.