Jugendliche in der Schuldenfalle - Thomas Nickel sieht Eltern und Banken in der Pflicht

Thomas Nickel
Thomas Nickel

Junge Menschen mit erdrückenden Schulden sind ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit. Nach Berichten der Wirtschaftsauskunftei „Creditreform“ gibt es in Deutschland derzeit weit mehr als 200.000 jugendliche Schuldner unter 20 Jahren. Viele von ihnen haben Verbindlichkeiten in Höhe von 10.000 Euro und mehr. Das Problem hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht.

„Viele Jugendliche sind nicht in der Lage, ihre finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen“, erläuterte Thomas Nickel. Die kritische Phase beginne oft dann, wenn sie eine eigene Wohnung beziehen. „Solange Jugendliche noch zu Hause wohnen, fallen Engpässe nicht so auf, meist springen auch die Eltern ein“, meinte Nickel weiter. Besonders betroffen seien Auszubildende, die ihre Lehre abbrechen. Dann würden vertragliche Verpflichtungen für Miete oder Handy schnell zu einer nicht mehr zu tragenden Belastung. 

Daher sei die Schuldnerberatung für Jugendliche auch so enorm wichtig, ergänzte der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Nickel dankte dem Caritasverband und dem Sozialdienst katholischer Männer (SkM) für ihr Engagement auf diesem Gebiet. Deren Projekt „Knete, Krisen, Kompetenzen“ konnte jüngst durch private Sponsorengelder fortgesetzt werden. „Es ist richtig und wichtig, dass gerade die Banken und Kreditinstitute ihrer öffentlichen Verantwortung nachkommen“, betonte der stellvertretende Bürgermeister. Überschuldung sei zwar in erster Linie das Ergebnis eines persönlichen Fehlverhaltens der Menschen. Aber: „Die Versuchungen, die die Kreditwirtschaft aus Profitstreben setzt, hat eine gesellschaftliche Problemlage zur Folge.“ Die allgemeine Verantwortung, die daraus folge, sei eine stetige Anforderung an die Banken.

Nickel sieht aber vor allem auch Eltern und Familien in der Pflicht. Wie man mit Geld umgeht, lerne man in der Familie. Es gehöre zu den Erziehungspflichten, Kindern und Jugendlichen beizubringen, dass man sich das eigene Geld einteilen müsse. „Es ist besser, durch Erlernen und Vorsorge, den Absturz in die Schuldenfalle zu vermeiden, als durch Schuldnerberatung, den Schaden erst wieder beheben zu müssen“, meinte Nickel. Auch müsse deutlich werden, dass die Luxusgüter der virtuellen Welt von Fernsehen, Internet und Werbung Ausnahmen seien und für viele Menschen nie oder nur selten erreichbar sind. „Träumen gehört zu Jugend, und das ist auch gut so“, betonte Nickel. Aber Jugendliche dürften nicht in einer Traumwelt leben. Das Erwachen sei dann oft schmerzhaft.