Jugendkriminalität – Möglichkeiten der Verhütung und Bekämpfung...

...lautete das Thema der gemeinsamen Expertenveranstaltung des CDU-Kreis- und Stadtverbandes Neuss, die am 6. Juni 2008 in den Räumen des Friedrich-Spee-Kollegs Neuss über gut zweieinhalb Stunden vor und mit ca. 100 interessierten Besuchern unter der Moderation von Heiner Cöllen, Mitglied beider Parteivorstände, stattfand. Als Fachleute stellten sich der regen Befragung und Diskussion U. Steeger, Jugendrichter in Neuss, F. Reuters, Leiter des Kommissariats „Jugendkriminalität“ der Kreispolizeibehörde Neuss, H.J. Pauls, Jugendgerichtshilfe des Jugendamtes Neuss, H. Scholten, Leiter des Raphaelshauses Dormagen und B. Schikora, Verfahrenspflegerin und Projektberaterin in der Jugendförderung.

Nach der Begrüßung durch den Kreisparteivorsitzenden MDB H. Gröhe machte Erste Kriminalhauptkommissarin a. D. und Kreistagsabgeordnete M. Widdekind die Teilnehmer mit der Kriminalstatistik 2007 des Kreises Neuss bekannt.
Kern ihrer Erläuterungen waren die: Die Statistik gibt keine Auskunft über Herkunft
(Migration), Bildungsgrad und soziale Stellung der Täter, der Täteranteil von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden liegt bei ca. 31 %, Gewaltdelikte (Raub, Körperverletzung u.ä.) wurden von solchen unter 21 Jahren mit 51,5 Prozent aller Täter begangen. Straftaten unter Gewaltanwendung steigen signifikant an.

Die anschließende Befragung der Experten ergab eine Reihe von Hinweisen und Anregungen, nicht zuletzt an die politisch Verantwortlichen in Bund, Ländern und Gemeinden: Die Schule muss ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche durch besser ausgebildete Lehrer und mit Beistand von Sozialarbeitern zu regelkonformem Verhalten befähigt werden; Krisen - Familien müssen mehr emotionale und materielle Unterstützung erfahren; Deutsche mit Migrationshintergrund bedürfen einer effizienten Integration; die Gesellschaft muss auch denen Ausbildungs- und Berufschancen bieten, deren Begabung mehr im Praktischen als im Intellektuellen liegt. Die Medien und die Betreiber von Internetplattformen müssen sich ihrer besonderen Verantwortung für das Wohl von Kindern und Jugendlichen bewusst sein, notfalls zu angehalten werden.

Von Seiten der Polizei wurden mit der Bitte um bessere Aufklärungsarbeit die nachteiligen Folgen des hohen Anteiles von Drogen- und Alkoholeinfluss bei Taten aller Art beklagt – Tendenz steigend!

Ein besonderes Dilemma wurde bei Taten so genannter strafunmündiger „Klaukinder“ (reisende, im Auftrag Erwachsener handelnde Kinder unter 14 Jahren) deutlich: Es fehlt an Heimen, in denen eine sichere Unterbringung und damit der Schutz vor dem weiteren Einfluss der Hintermänner gewährleistet ist.

Der sogenannte Warnschussarrest (einige Wochen Jugendarrest zum „Kennenlernen“ mit anschließender Jugendstrafe zur Bewährung) wurde von dem Vertreter des Jugendgerichts als überfällige Erziehungs- und Sanktionsmaßnahme eingefordert. Überdenkenswert der Vorschlag einer Zuhörerin: Entschärfung durch geeignete –evtl. bauliche- Maßnahmen- von Angsträumen, also Orten, an denen es vermehrt zu kriminellen Vorfällen kommt,

Selbstredend der Hinweis aller Experten, dass mehr Geld und Personal in den jeweiligen Fachbereichen einer effizienten Verhütung und Bekämpfung von Jugendkriminalität entgegen kämen.

Dr. Jörg Geerlings, Vorsitzender des Stadtverbandes Neuss, war es vorbehalten, am Ende der Veranstaltung das Gehörte themenorientiert zusammenzufassen und den Dank für das rege Interesse allen Beteiligten auszusprechen.