JU-Vorstandsmitglied Benedikt Becker bei der Bundesversammlung

Der vergangene Samstag war ein ganz besonderer Tag für Deutschland. Unsere Republik feierte den 60. Jahrestag ihrer Gründung, in der Fußballbundesliga fiel die Entscheidung über die Meisterschaft und in Berlin wurde Horst Köhler von der 13. Bundesversammmlung als Bundespräsident wiedergewählt. Auch für mich persönlich war dieser 23. Mai ein ganz besonderer Tag, denn die zuletzt genannte Bundespräsidentenwahl durfte ich im Reichstag hautnah miterleben. Ein bisschen aufgeregt war ich also schon, als ich mich am Samstagmorgen auf den Weg zum deutschen Parlamentsgebäude machte. Die Wahl des deutschen Staatsoberhaupts findet schließlich nur alle fünf Jahre statt und nur die wenigsten bekommen wohl die Möglichkeit so nah dran zu sein, wenn die 1224 Delegierten ihre Stimme abgeben.

Von der Fraktionsebene des Bundestages sollte ich das Geschehen beobachten dürfen, hier tummelten sich bereits mehrere Stunden vor der Wahl Journalisten, Kameraleute und Fotografen, während sich die Parteien in den Fraktionssälen auf die Wahl vorbereiteten. Als diese Zusammenkünfte beendete waren, wurde es zum ersten Mal richtig hektisch an diesem Tag. Auf dem Weg zum Aufzug, der die Delegierten in den eine Etage tiefer gelegenen Plenarsaal brachte, warteten die Heerscharen von Medienvertretern auf prominente Gesprächspartner, wobei man das Gefühl bekam, dass die Journalisten eher an der Situation bei Opel als an der bevorstehenden Präsidentschaftswahl interessiert waren. Um 12 Uhr hatten dann alle Wahlberechtigten den Weg in den Plenarsaal gefunden und Bundestagspräsident Norbert Lammert konnte die Sitzung eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits den Neusser CDU-Vorsitzenden Jörg Geerlings getroffen und gemeinsam mit anderen Gästen verfolgten wir die Konstituierung der Bundesversammlung auf einer großen Leinwand im Fraktionssaal der CDU/CSU-Fraktion. Die Stimmung war gelassen und voller Zuversicht sah man dem ersten Wahlgang entgegen. Dass Horst Köhler in diesem nicht direkt gewählt worden könnte, davon ging im Lager der Union eigentlich niemand aus. Doch mit der langwierigen Prozedur der namentlichen Ausrufung aller Delegierten machte sich auch eine Etage über dem Plenarsaal Unruhe breit. Man begann zu rätseln, wie sich die Stimmen wohl verteilen würden, sollte es zu einem dritten Wahlgang kommen, und ob man aus dieser Bundespräsidentenwahl wirklich Schlüsse ziehen dürfe für die im September anstehende Bundestagswahl. Die Anspannung war vielen nun deutlich anzusehen, als gegen 14 Uhr das Ergebnis bekannt gegeben werden sollte. Gebannt starrte man auf den Bildschirm, überall piepsten die Mobiltelefone, denn jeder bemühte sich, irgendwie Kontakt aufzunehmen mit einem der Delegierten, zu dem das Ergebnis vielleicht bereits durchgesickert war.

Als dann die Musiker den Plenarsaal betraten und die Saaldiener die Blumen verteilten, war für die Abgeordneten klar, dass es keinen zweiten Wahlgang geben würde und Horst Köhler für weitere fünf Jahre gewählt war. Applaus war aus dem Saal zu hören und die Unionsfraktion sowie die FDP feierten bereits ihren Sieg. Auf der Fraktionsebene jedoch hatte niemand so wirklich realisiert, was eine Etage tiefer gerade geschah. Immer noch wartete man auf SMS aus dem Plenum, versuchte aus den Gesichtern der eingeblendeten Politiker das Ergebnis zu lesen und verfolgte Horst Köhlers verspätete Ankunft. Erst nach und nach machte die Nachricht die Runde, dass Köhler gewählt sei und gejubelt wurde erst, als Norbert Lammert das Ergebnis erkündete. Tosender Applaus erfüllte daraufhin der Fraktionssaal der Union und gebannt lauschte man anschließend den Worten des alten und neuen Bundespräsidenten.

Die Stimmung beim Empfang nach der Wahl war durchweg gelöst. Die Vertreter der unterlegenen Parteien schienen ihre Niederlage nicht so schwer zu nehmen, gaben sich aber sichtlich Mühe die Journalisten zu überzeugen, dass die Bundespräsidentenwahl keinesfalls richtungsweisend sei für die Bundestagswahl. Währenddessen sah man vor allem den Unionspolitikern die Freude über den Sieg Köhlers an, auch der Neusser Bundestagsabgeordnete Staatsminister Hermann Gröhe wirkte sichtlich entspannt, als er im Gespräch mit Jörg Geerlings die Wahl Revue passieren ließ und sich über die zu früh erschienenen Musiker amüsierte. Relativ schnell leerte sich das Reichstagsgebäude dann jedoch, schließlich begann nun das Bundesligafinale und den 60. Jahrestag des Grundgesetzes feierte man in Berlin gerade ebenfalls sehr ausgiebig. Ein ereignisreiches Erlebnis ging für mich zu Ende und zum Schluss durfte ich noch einmal merken, wie nah ich dran war am Zentrum des politischen Geschehens: Beim verlassen des Gebäudes wunderte ich mich, warum plötzlich Kameraleute in meine Richtung liefen und wartende Journalisten ihre Notizblöcke zückten. Erst dann entdeckte ich den kleinen Mann mit runder Brille, der hinter mir ging und nun lächelnd auf die Medienvertreter zuging. Während Gregor Gysi ausführlich das Tagesgeschehen kommentierte, suchte ich mir zwischen Polizisten und wartenden Menschenmassen einen Weg durch die Sicherheitsabsperrungen und trat den Heimweg an.


Zur Person: Benedikt Becker (19 Jahre alt, Abiturient) gehört seit Dezember 2008 als Beisitzer dem Vorstand der Jungen Union Neuss an. Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Schüler Union im Rhein-Kreis Neuss.