Geerlings: Neusser Rathaus hat den Brexit verschlafen

Das Neusser Rathaus hat den Brexit bisher vollkommen verschlafen. Zu diesem Ergebnis kommt der Landtagsabgeordnete Dr. Jörg Geerlings, nachdem er die Antwort auf seine Anfrage an die Stadtverwaltung ausgewertet hat.

Geerlings hatte vom Bürgermeister wissen wollen, was die Neusser Stadtverwaltung in Vorbereitung auf das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union getan hat, insbesondere inwieweit sie Kontakt zu ansiedlungswilligen Unternehmen aus dem britischen Wirtschaftsraum gesucht hat, um diesen in Neuss eine neue Heimat zu bieten.

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft im Auftrag des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums hatte kürzlich erst gezeigt, dass britische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit verlagern wollen, in Nordrhein-Westfalen einen vergleichbaren Wirtschaftsraum mit vielen Standortvorteilen vorfinden. Seit dem Referendum haben sich fast 100 britische Unternehmen in Nordrhein-Westfalen angesiedelt, jedoch kein einziges in Neuss.

„Die Stadt Neuss betreibt keine eigene Akquise von Unternehmen im Ausland“, heißt es lapidar in der Antwort auf Geerlings‘ Anfrage. „Das ist ein Armutszeugnis“, so der Abgeordnete. „Der Brexit an sich ist schon traurig, aber noch trauriger ist, wie ambitionslos und unmotiviert die Neusser Stadtverwaltung an die Sache herangeht. Der Hinweis auf angeblich fehlende Gewerbeflächen solle nur mangelnde Kreativität beim Bürgermeister überdecken. Er hätte das Thema zur Chefsache machen müssen!“

Geerlings bedauert, dass Neuss diese Chance nicht genutzt hat und ist davon überzeugt: „Schon ein einziges Unternehmen aus Großbritannien wäre gut für den Wirtschaftsstandort Neuss. Es würde Arbeitsplätze schaffen und Gewerbesteuereinnahmen bringen“, so der Politiker.