Ex-JU-Chef Hermann Gröhe berichtet über Zeit der Wiedervereinigung

Hermann Gröhe in seiner Zeit als JU-Chef
Hermann Gröhe in seiner Zeit als JU-Chef

Das Thema „Die Junge Union und die Deutsche Einheit“ stand im Mittelpunkt eines Abends im Rahmen der Veranstaltungsreihe „JU damals“ des JU-Stadtverbandes Neuss, bei dem JU-Vorstandsmitglied und Organisator Thomas Kaumanns mit dem Neusser Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe den Vorsitzenden der Jungen Union Deutschlands in den Jahren 1989 bis 1994 begrüßen konnte.

Hermann Gröhe, der am 3. November 1989, also wenige Tage vor dem Fall der Berliner Mauer, zum Bundesvorsitzenden des gemeinsamen Jugendverbandes von CDU und CSU gewählt wurde, erinnerte daran, dass die Delegierten dieses Deutschlandstages gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl „mit Kerzen in der Hand durch die Innenstadt von Erlangen zogen, um ein Zeichen der Solidarität mit den friedlichen Demonstranten von Leipzig, ja von überall in der damaligen DDR zu setzen“. Am Tage nach der Maueröffnung habe er dann „dieses Bauwerk des Schreckens mitten in Deutschland, mitten in Europa erklommen und auch ein kleines Stück Mauer heraus gebrochen“. Als Helmut Kohl am Abend des 10. November 1989 vor der Berliner Gedächtniskirche vor Zehntausenden aus West und Ost sprach, habe er neben dem Kanzler auf der provisorischen Bühne gestanden und an jene „eher kläglichen Häuflein gedacht, die in den Vorjahren am Tag des Mauerbaus mit der JU über den Kurfürstendamm zogen und „Die Mauer muss weg!“ riefen“. Hermann Gröhe: „Wer vor 1989 die Offenheit der deutschen Frage anmahnte, wurde als ewiggestrig beschimpft und als rechtsradikal diffamiert“.

Anekdotenreich schilderte Gröhe die ersten Kontakte zur DDR-Bürgerrechtsbewegung und den Aufbau der „Christlich-Demokratischen Jugend“, CDJ, aus der später die neuen Landesverbände der JU wurden: „Besonders bewegt hat mich unser Deutschlandtag 1990 in Leipzig zwei Wochen vor der staatlichen Wiedervereinigung, war doch Leipzig die Stadt, die meine Eltern 1958 verließen, um in Freiheit leben und eine Familie gründen zu können“. Er habe an eine Reihe 1947 in der damaligen sowjetischen Besatzungszone zu Zuchthausstrafen verurteilte JU-Aktive, die Einstellung der JU-Arbeit auf Beschluß des „Zonenvorstandes“ und das anschließende JU-Verbot erinnert und unter dem Jubel der Delegierten ausgerufen: „Jetzt sind wir wieder da! Jetzt arbeiten wir wieder für die Jugend in ganz Deutschland!“

Nach einer intensiven Diskussion, in der es etwa um die JU in den neuen Ländern, die Herkunft ihrer Wiederbegründer aus der kirchlichen Jugend- und Friedensarbeit und das Verhältnis von West- und Ost-CDU ging, beschloss Thomas Kaumanns einen „eindrucksvollen Gesprächsabend, der durch die ganz persönlichen Erinnerungen eines Zeitzeugen geprägt war“. Die Veranstaltungsreihe „JU damals“, zu der bereits eine Veranstaltung „Die Anfänge der Jungen Union in Neuss“ mit Dr. Heinz-Günther Hüsch gehörte, soll fortgesetzt werden.