Europapolitik: Datenschutz und Werbung

Wo sollte Presse– und Informationsfreiheit aufhören und Datenschutz anfangen? – Nachdem bereits Privatpersonen gesetzlich vor unangemeldetem werblichen Informationsmaterial geschützt werden und eine Zusendung vorher explizit bestätigen müssen, plant die EU das so genannte „opt-in-Verfahren“ auch auf Unternehmen auszuweiten.

Welche Auswirkungen ein solches Gesetz für Business-to-Business-Kommunikation tatsächlich haben würde, könne heute noch keiner absehen, meint Anita Gilges, Inhaberin der Neusser Werbeagentur Blue Moon. Um Argumente auszutauschen hatte Gilges Karl-Heinz Florenz als Europaparlamentarier für den Niederrhein sowie Dr. Jörg Geerlings, Stadtverordneter und Vorsitzender der CDU Neuss, zu einem Fachgespräch eingeladen.

„Gerade im Business-to-Business-Bereich lässt sich oft schwer definieren, wo journalistische Arbeit aufhört und werbliche Information anfängt“, umriss Anita Gilges das Problem. So seien beispielsweise E-Mail-Newsletter und Kundenmagazine in der B2B-Kommunikation sehr fachlich und informativ ausgerichtet und würden von der Zielgruppe als Bereicherung empfunden, so Gilges‘ Erfahrung. Tatsächlich habe sie in den 14 Jahren als Agenturchefin noch kein einziges Mal negatives Feedback erhalten. Ein opt-in-Verfahren hingegen würde die Kommunikationsarbeit extrem erschweren und verteuern. „Betroffen würden alle Unternehmen, darunter leiden hauptsächlich kleinere und mittelständische, deren Budgets für Kommunikationsarbeit begrenzt sind“, befürchtet Anita Gilges.

Was die EU-Politik plant

Karl-Heinz Florenz berichtete, dass in Brüssel die Diskussion um opt-in-Verfahren für B2B-Kommunikation stark von Lobbyisten beeinflusst werde: „Viele Unternehmen fordern, dass B2B-Daten komplett aus der Datenschutzverordnung ausgenommen werden sollten. Das ist aber auch keine Lösung. Man muss zwischen dem Schutz der Verbraucher und den berechtigten Interessen der Unternehmen abwägen. Die Datenverarbeitung ohne opt-in bildet für viele Unternehmen die Existenzgrundlage.“ Florenz beteuerte, das Anliegen der Unternehmen sehr ernst zu nehmen und sich für ein lösungsorientiertes Ergebnis einzusetzen. Jörg Geerlings unterstreicht: „Das Thema muss weiter verfolgt und diskutiert werden, da es bislang in der öffentlichen Diskussion wenig Beachtung findet. Die betroffenen Rechte des Mittelstands und der Datenschutz müssen vernünftig in Einklang gebracht werden.“