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Zwei "leidenschaftliche Europäer" in Neuss

Europa - Beitrag für eine bessere Welt

19.10.2003 2 Minuten Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 20. Oktober 2003

v.l.n.r.: Dr. Jörg Geerlings, Dr. Christoph Heusgen, Bärbel Kohler, Karl Lamers, Hermann Gröhe MdB

v.l.n.r.: Dr. Jörg Geerlings, Dr. Christoph Heusgen, Bärbel Kohler, Karl Lamers, Hermann Gröhe MdB

Wenn der Nahe Osten eine Chance auf Frieden besitzt, dann weist die so genannte "Road Map" den Weg. Unter der Regie der Vereinten Nationen schlüpft dabei neben den USA und Russland auch die Europäische Union (EU) in die Player-Rolle.

Javier Solana, Hoher Repräsentant für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, konzipierte diesen Ansatz für einen Friedensprozess und dokumentierte, dass die Europäer an Handlungsfähigkeit gewonnen haben. "Die Road Map trifft den Punkt", sagt Karl Lamers, "nur Scharon interpretiert sie."

Lamers (67) gilt auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag als "Nestor der deutschen Außenpolitik". Gemeinsam mit Solanas "rechter Hand", Dr. Christoph Heusgen, suchte er Antworten auf die Frage "Die Welt voller Krisen - wie handlungsfähig ist Europa?"

Eingeladen hatte der Arbeitskreis Europa der Neusser CDU. Die Gastgeber Bärbel Kohler und Dr. Jörg Geerlings freuten sich Freitagabend über ein hundertköpfiges Auditorium im Kardinal-Frings-Haus. Hermann Gröhe MdB moderierte durch den Abend und musste den angekündigten Karl-Heinz Florenz entschuldigen. Der Europaabgeordnete kuriert eine Grippe aus.

Das hochkarätige Referenten-Duo schlug einen Spannungsbogen, der geprägt war von scharfer Analyse, klaren Positionen und konkreten Vorschlägen. Dabei blieb der Brüssel-Diplomat Heusgen praktisch und pragmatisch, während Politiker Lamers emotionaler zu Werke ging. Für Altmeister Lamers gibt's zur gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäer keine Alternative: "Europa hat Zukunft - aber nur gemeinsam."

So wirbt er für das "Projekt Europa", das beispielhaft der Welt bedeute, wie Versöhnungsarbeit in einem Miteinander münde. Lamers bleibt aber Realist und sieht den weiten Weg: "Durch die Erweiterung im nächsten Jahr wird die EU nicht homogener." So plädiert er für ein "Kern-Europa", dass nach seiner Überzeugung nur Deutschland und Frankreich bilden könnten. Sicherlich auch unter dem Eindruck der innerwestlichen, innereuropäischen Krisen vor, während und nach dem Irak-Krieg warnt Karl Lamers davor, das Verhältnis zu den USA zu polarisieren.

Es gehe weder um Gefolgschaft noch um Konkurrenz: "Es geht um Partnerschaft auf Augenhöhe." Für den Neusser Christoph Heusgen (48) - er marschiert seit 1971 im Schützenlustzug "Nur so" mit - war's ein Heimspiel. Für ihn dokumentieren Zahlen die Bedeutung Europas: Nach der Erweiterung leben 450 Millionen Menschen in der EU, die ein Viertel des Welt-Bruttosozialproduktes erwirtschaftet.

Die Freizügigkeit nach dem Abkommen von Schengen und die gemeinsame Währungsunion sind für Heusgen Etappen eines Integrationsprozesses, die durch eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik gekrönt werden müsse. Umfragen haben ergeben, so Heusgen, dass 70 Prozent der EU-Bürger diese Gemeinsamkeit fordern.

Und Karl Lamers geht noch einen Schritt weiter: Er kann sich - zumindest mittel- bis langfristig - eine gemeinsame europäische Armee vorstellen. Europa - für Heusgen und Lamers mehr als das Prinzip Hoffnung.
-lü-