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Die Überraschung hat einen Namen: Karl-Josef Laumann

14.09.2005 1 Minute Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 14. September 2005

Landesminister Karl-Josef Laumann

Landesminister Karl-Josef Laumann

Überraschungen sind in diesem mediengerecht inszenierten Wahlkampf-Einerlei rar. Womöglich sind Überraschungen von den Trainern, Coaches, Spindoctors, Managern und Beratern auch gar nicht gewollt, weil ihnen etwas Unkalkulierbares eigen ist. Und dennoch gibt es sie. Wer gestern Abend der CDU-Einladung ins Kardinal-Frings-Haus folgte, der erlebte eine Überraschung, der erlebte einen Redner, der nicht in das vorherrschende Klischee der politischen Technokraten passt. Karl-Josef Laumann, seit acht Wochen Arbeits-, Gesundheits- und Sozialminister in Nordrhein-Westfalen, spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist: bildhaft, humorvoll und voller Leidenschaft.

Der 48-jährige gelernte Schlosser, IG Metall-Mitglied aus dem münsterländischen Riesenbeck, belegte, warum er zum Bundesvorsitzenden der CDA gewählt wurde, die wie die KAB oder Kolping eine Identitätskrise durchmacht. Er steht in der Tradition wortgewaltiger Vorgänger wie Hans Katzer und Norbert Blüm, bekennt sich dazu und will dem einst mächtigen christlichen Arbeitnehmerflügel in der CDU eine unüberhörbare Stimme geben: Der CDA-Chef ist, wenn er seine Sache gut macht, Kopf der christlich-sozialen Bewegung in Deutschland. Eine Partei, die nur immer wieder Wirtschaft, Wirtschaft skandiere, verliere den Anspruch, eine Volkspartei zu sein. So erinnerte Laumann seine Union daran, dass sie auf ihrem 60-jährigen Weg als Volkspartei von drei Säulen getragen werde: Das christlich-soziale, das konservative und das liberale Element. Er wisse, dass ein Mehr an sozialer Sicherheit nicht zu finanzieren sei. Er wisse aber auch, dass es gerecht zugehen müsse, um den sozialen Frieden in der deutschen Gesellschaft zu wahren.

Den Menschen treiben, so Laumann, zwei Urängste um: Er fürchte, dass ihm im Krankheitsfall nicht die bestmögliche medizinische Hilfe zuteil komme, und er frage sich, was aus ihm werde, wenn er aus dem Arbeitsprozess ausscheide. Es gelte, auf diese beiden Herausforderungen in den nächsten Jahren eine klare Antwort zu finden: Wenn uns das nicht gelingt, dann lebt ein Großteil der Senioren in 25 Jahren in Altersarmut. Er wolle an intelligenten Lösungen mitwirken, die alle - die Arbeitnehmer und die Eliten - zwingen, sich anzustrengen und in Solidarität zu üben.

Von Ludger Baten