Die Tour de Neuss sollte stattfinden

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Auch wenn die Auseinandersetzung um die Auswirkungen des Dopings im Spitzensport mehr als überfällig ist, sollten wir schnellstens zu einer Versachlichung der Diskussion kommen. Viele Jahre ist das Thema Doping totgeschwiegen worden, da sich über internationale sportliche Spitzenleistungen viele Nationen im internationalen Wettbewerb definiert haben, dies gilt für Ost und West. Damit ist es im Wesentlichen ein internationales Problem und die Sportorganisationen sind nun gefordert, dieses Thema offensiv anzugehen, selbst mit dem Risiko eine zeitlang auf Medaillen oder Endkampfchancen verzichten zu müssen, wenn sich andere Nationen dieser Entwicklung zunächst nicht anschließen.

Wir dürfen die Wirkung des Dopings aber auch nicht überbewerten. Jeder Körper hat eine individuelle physiologische Leistungsfähigkeit, die durch sauberes Training auf der Grundlage einer wissenschaftlich fundierten Leistungsdiagnostik und nachhaltigen Trainingsplanung gesteigert werden kann. Darüber hinaus verfügt jeder Organismus über ca. 20 % autonom geschützte Leistungsreserven, die ein Sportler willentlich nicht oder kaum abrufen kann. Diese Reserven sind evolutionär aus einer Zeit, in der der Mensch noch in der Wildnis lebte und in Notsituationen die Flucht ergreifen musste. In diese autonom geschützten Reserven greifen Dopingverfahren ein und lösen eine Leistungssteigerung oder Leistungsoptimieren aus. Im hoch ausdifferenzierten Spitzensport sind selbst kleinste Leistungssteigerungen in der Spitzenleistung entscheidend, welcher Sportler gewinnt. Da die gesundheitlichen Nebenwirkungen der eingesetzten Mittel gravierende gesundheitliche Schäden auslösen können, ist eine oft geforderte Freigabe des Dopings aus meiner Sicht nicht zu verantworten.

Da die Auseinandersetzung längst überfällig ist, sollte man dieser Diskussion nun auch eine Chance geben und die Sportler, die bereit sind für Aufklärung zu sorgen unterstützen. Sie sind nicht allein für diese Situation verantwortlich. Eltern, Vereine, Politiker, Sponsoren, Presse, Mediziner und viele andere tragen eine große Mitverantwortung.
Wenn wir das Problem ernsthaft angehen wollen, müssen wir die Diskussion breit und offen führen mit dem Ziel, dass auch andere Sportarten und Nationen ihre Systeme auf den Prüfstand stellen.

Dem Sport aber nun, wie von einigen lokalen Politikern gefordert die öffentliche Förderung zu entziehen, würde bedeuten, ihm die Beine wegzuziehen. Betrug und Korruption gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der öffentlichen Verwaltung und der Politik. Ziel muss es sein, die Ursachen zu identifizieren, die Folgen zu bekämpfen und die Betroffenen nach rechtsstaatlichen Vorgaben zur Rechenschaft zu ziehen. Dies ohne Globalverurteilung der gesamten sportlichen Bewegung. Im Übrigen gibt es auch für andere rechtlichen Bereiche Kronzeugenregelungen, die in der jetzigen Situation für den Sport überlegt werden sollte.

Wenn eine Sportart in der Spitze dopingbelastet ist, heißt das nicht, dass die breite Masse des Sports betroffen ist. Wie im Fußball und Handball oder in der Vergangenheit im Tennis stellen wir auch im Radsport nach großen Sportereignissen fest, dass zahlreiche Bürger die Sportart im Breitensport ergreifen. Wie die Leichtathletik und Schwimmen ist auch der Radsport eine Grundsportart, die es vielen Menschen ermöglicht, mit einfachen Mittel ihren sportlichen Bedürfnissen nach zu gehen. Gerade jetzt braucht der deutsche Spitzensport die Unterstützung aller Partner, die sich bisher in seinem Erfolg gesonnt haben. Wir müssen einen sauberen Spitzensport aufbauen, damit unsere Kinder und Jugendliche Vorbilder erhalten, die sie für ihre Entwicklung unbestritten benötigen. Der Sport hat den ersten Schritt gemacht, nun liegt es an uns, ihn auf diesem Weg zu begleiten. Sicherlich wäre Erik Zabel auch bereit, dem Neusser Publikum im Rahmen der Tour de Neuss Rede und Antwort zu stehen. Er hat die Verantwortung erkannt, für sich selbst, für seinen Radsport treibenden Sohn und für die Sportart.

Die CDU im Rhein-Kreis Neuss wird sich der Diskussion stellen und insbesondere den Nachwuchssport weiterhin unterstützen