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C-Veranstaltung

„Das C bitte nicht streichen“

30.06.2005 2 Minuten Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 30. Juli 2005

Pfarrer Jochen Koenig bezog deutlich Stellung: "Ich bitte darum, das C nicht zu streichen", sagte der stellvertretende Kreisdechant am Dienstagabend in der CDU-Geschäftsstelle am Münsterplatz. Im Schatten von St. Quirin hatten sich knapp 100 Christdemokraten und Gäste versammelt, um mit dem katholischen Geistlichen über die jüngsten Äußerungen seines Chefs, Joachim Kardinal Meisner, zu diskutieren. Der Kölner Erzbischof hatte in einem neuerlichen Zeitungsinterview der CDU den Rat gegeben, das C aus dem Parteinamen zu streichen. Mit der deutlichen Mehrheit der anwesenden Christdemokraten wandte sich neben Koenig auch der evangelische Landespfarrer Dr. Volker Lehnert gegen die "Empfehlung" des Kardinals. Allein Dr. Manfred Becker-Huberti verteidigte als "Stimme seines Herrn" Meisners Äußerungen.

Becker-Huberti bestritt sogar, dass der Kardinal der Union den Rat gegeben habe, das C aus dem Parteinamen zu streichen. Vielmehr habe Meisner lediglich die Frage gestellt, ob eine sich christlich nennende Partei in einer säkularisierten Gesellschaft überhaupt noch Mehrheiten erringen könne. Tatsächlich hatte Meisner in dem Zeitungsinterview auf die Frage, ob CDU und CSU das C zu Unrecht trügen geantwortet:

"Ich meinte, dass in unserer gesellschaftlichen Säkularisation eine christliche Volkspartei keine Mehrheiten mehr erreicht. Deshalb sollten sie das C streichen, ohne ihre Substanz aufzugeben."

Der Kölner Kardinal fuhr fort: "Denn was christlich ist, kann nicht die CDU definieren. Das machen wir!" So könne es passieren, dass die Kirche die Partei kritisieren müsse. Lehnert, der früher Pfarrer an der evangelischen Gemeinde Neuss-Süd war, widersprach dem Kardinal. Er zitierte eine Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung nach der 73 Prozent der Deutschen christliche Werte in der Politik für notwendig halten. Immerhin noch 66 Prozent meinten demnach, dass die Union ihren christlichen Anspruch nicht streichen sollte.

"Die Menschen unterstützen die CDU dabei, das C beizubehalten", sagte Lehnert. Lehnert ging in seiner Stellungnahme auch auf die Gründungsgeschichte der CDU ein, die das C in bewusstem Gegensatz zu nationalsozialistischen Diktatur gewählt hatte. "Die CDU verwechselt Glauben nicht mit politischen Programmen", sagte der Protestant. "Das Christliche ist für sie vielmehr die ethische Grundlage für eine verantwortliche Politik."

Pfarrer Koenig definierte schließlich, was christlich bedeutet: "Ein Christ muss denken, reden und handeln wie Christus an seiner Stelle denken, reden und handeln würde." Auf diese Definition konnten sich die Christdemokraten verständigen, auch wenn stets betont wurde, dass es nur allzu menschlich sei, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinander fallen könnten. CDU-Vorsitzender Dr. Jörg Geerlings betonte denn auch, dass seine Partei die Wertedebatte weiterführen wolle. "Die Äußerung des Kardinals ist zwar Anlass, aber nicht Grund dieser Veranstaltung."

Von Carsten Greiwe