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Verjüngungskur

CDU stellt Ratskandidaten auf

31.03.2004 2 Minuten Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 31. März 2004 - Von Ludger Baten

    Die Union geht mit einem recht jungen Team in die Kommunalwahlen am 26. September. Der Neusser CDU gelang Dienstag Abend die Verjüngungskur. Sie senkte das Durchschnittsalter ihrer Direktbewerber in den 29 Wahlkreisen auf 46 Jahre ab. Im Durchschnitt kommt hingegen die aktuelle CDU-Ratsfraktion auf 57 Jahre. "Eindrucksvoll", kommentierte Vorsitzender Cornel Hüsch das Ergebnis: "Ein kompetentes Team, das Jung und Alt vereint und in dem überzeugende Frauen ein gutes Drittel stellen."

    Die eigentliche Überraschung gelang aber Thomas Kracke in der letzten von insgesamt vier Kampfabstimmungen: Der 38-jährige Berufsoffizier ist CDU-Kandidat in Norf. Er setzte sich mit 168 zu 133 Stimmen gegen den Ratsherrn Markus Weber (40) durch, der erneut Favorit des Parteivorstandes war. Kracke hatte in seiner Vorstellung gemahnt, dass der CDU in Norf die Stimmung der Bürger ins Gesicht wehe: "3.500 Unterschriften gegen die Sperrung der Grupellostraße stammen nicht von einigen wenigen verirrten SPD-Wählern."

    Kracke wird auch von den so genannten "jungen Wilden" um Markus Kuhl und Tobias Goldkamp unterstützt. Deren Anlauf auf einen Wahlkreis war zuvor gestoppt worden. Kuhl (31) scheiterte - wie schon vor fünf Jahren, damals gegen Anna-Maria Holt - erneut. Diesmal trat er gegen den noch jüngeren Andreas Hamacher (21). Seine 88:214-Abfuhr machte dann auch ihn nachdenklich: "Das ich unterliege, war mir bewusst", kommentierte Kuhl später, "aber diese Schlappe habe ich nicht erwartet."

    Jurastudent Hamacher soll es nun im Wahlkreis "Südliche Furth, in dem die SPD traditionell stark ist, Carsten Greiwe gleichtun, der 1999 das Direktmandat überraschend für die CDU gewann. Wie Kuhl unterlag auch Tobias Goldkamp bei seinem Versuch, gegen den Vorschlag des Parteivorstandes einen Wahlkreis zu erobern. Der 25-jährige Jurist, mit dem Votum der Nordstadt-Konferenz ausgestattet, versuchte sein Glück im Wahlkreis "Kaarster Brücke", unterlag aber Joachim Goerdt (55) mit 148:173.

    Goerdt, der in der laufenden Wahlperiode als Nachrücker in den Rat einzog, holte sich damit im zweiten Anlauf eine CDU-Direktkandidatur. Vor fünf Jahren war er bereits der Favorit des Parteivorstandes für den Wahlkreis Weißenberg gewesen; damals unterlag er aber seinem Herausforderer Sebastian Rosen, der Dienstag ohne Gegenkandidat war und erneut aufgestellt wurde. 1999 kam er aus der Tiefe des Weckhovener Raumes: Reinhard-Josef Wendt (58). Damals jagte der gebürtige Bayer dem "Platzhirschen" Heinz Hick den Wahlkreis Weckhoven-West ab.

    Dienstag Abend versuchte Ratsherr Wendt erneut als Herausforderer das Personaltableau zu wenden; diesmal gegen Thomas Kattner (45), den Findungskommission und Parteivorstand empfohlen hatten. Ein zweiter Husarenritt gelang Wendt nicht, er muss seinen Wahlkreis Kattner überlassen, der sich mit 176:135 durchsetzte. Die beiden Kontrahenten fanden nach der Abstimmung zum kollegialen Handschlag. Überhaupt verlief die Mitgliederversammlung, zu der knapp 340 stimmberechtigte Christdemokraten in die Stadthalle gekommen waren, in geordneten Bahnen. Einer der Regisseure war jedenfalls sichtlich zufrieden.

    Dr. Hermann-Josef Baaken, der auf eine erneute Ratskandidatur verzichtete und sich künftig stärker in der Parteiarbeit engagieren will, war nimmermüde als "Oberstimmauszähler" unterwegs: "Die Neusser CDU zeigt heute Abend, wie kraftvoll und dynamisch sie ist, und präsentiert, über wie viel gute Persönlichkeiten sie verfügt." Sein pauschales Lob: "Wir haben nur gute Vorstellungen erlebt. Auch die unterlegenen Bewerber haben eine überzeugende Figur gemacht."

    Auffallend: Vor allem die Frauen fuhren hohe Zustimmungsquoten ein. Über das Spitzenergebnis freute sich Fraktions-Vize Anna-Maria Holt, die 310 Ja-Stimmen erhielt. Angelika Quiring-Perl (305), Stephanie Wellens (299), Karin Kilb (292), Ingrid Schäfer (291) und Sabine Hustedt (289) standen ihr nur geringfügig nach.

    Die Kampfabstimmungen setzten sich bei der Nominierung der Neusser Kreistags-Kandidaten fort. Im Wahlkreis "Innenstadt/Hammfeld/Stadtmitte" trat Heinzwilli Maassen wie angekündigt nicht mehr an. Bei der Entscheidung um seine Nachfolge setzte sich Ex-Ratsherr Karl-Heinz Schnitzler (158) gegen Klaus Becker (100) durch, den der Vorstand favorisiert hatte.