CDU Neuss tagte zum Thema Amoklauf an Schulen

v.l. Andreas Hamacher, Gabriele Lange, Heiner Cöllen, Dr. Jörg Geerlings
v.l. Andreas Hamacher, Gabriele Lange, Heiner Cöllen, Dr. Jörg Geerlings

Der Arbeitskreis Schule der Neusser CDU beschäftigte sich auf seiner jüngsten Sitzung im Nachgang zu den traurigen Geschehnissen in Winnenden und anderenorts mit dem Thema „Amoklauf an Schulen“. Als Referenten konnte AK-Leiter und CDU-Vorstandsmitglied Andreas Hamacher den Neusser Jugendrichter Heiner Cöllen sowie Gabriele Lange vom schulpsychologischen Dienst des Rhein-Kreises Neuss begrüßen. Mit dabei war auch der Neusser CDU-Vorsitzende Dr. Jörg Geerlings, der die Bedeutung dieses Themas für die politische Tagesordnung unterstrich, und die Vorsitzende des Schulausschusses Stephanie Wellens.

„Nach bereits mehreren Vorfällen in Deutschland sind Amokläufe an Schulen leider auch hierzulande traurige Realität geworden“, so Hamacher. Es gehe nun darum, solch grauenvolle Taten künftig zu verhindern und potentielle Täter rechtzeitig zu erkennen.

Gabriele Lange, die selbst im Zusammenhang mit dem dramatischen Geschehen in Winnenden im Nachgang als Schulpsychologin vor Ort im Einsatz war, schilderte den AK-Mitgliedern zunächst anschaulich das Aufgabenspektrum des schulpsychologischen Dienstes. Um Amokläufe zu verhindern, sei es laut Lange wichtig, potentiellen Tätern im Vorfeld zu signalisieren, dass es auch andere Lösungen als den Griff zur Waffe für die betroffene Person gebe. Hierzu sei jedoch erforderlich, potentielle Täter rechtzeitig zu erkennen, was sich allerdings oft als schwierige Aufgabe darstelle.

Heiner Cöllen, der den Teilnehmern des Abends einen Einblick in seine tägliche Arbeit im Umgang mit jugendlichen Tätern gab, teilte jugendliche Gewalttäter in drei unterschiedliche Gruppen ein. Während er die erste Tätergruppe mit den Worten „Ich bin wichtig und möchte wahrgenommen werden“ umschrieb, handele es sich bei der zweiten Gruppe um junge Täter die unglücklich sind und in der Begehung ihrer Tat eine Möglichkeit sehen, „vermeintliches Glück“ (Drogenkonsum) zu erfahren. Die dritte Tätergruppe rechtfertige ihre Taten stets mit Worten wie „Ich bin so geworden, weil…(Veranlagung, falsche Vorbilder) “. Auch bei Amokläufern trete immer wieder ein übersteigertes Geltungsbedürfnis einerseits, Perspektivlosigkeit andererseits zum Vorschein, allerdings verhielten sie sich in den meisten Fällen im Vorfeld der Tat strafrechtlich eher unauffällig.

Da gefährdete Kinder und Jugendliche oftmals nicht richtig wahrgenommen würden, forderte Hamacher in diesem Zusammenhang eine „neue Kultur des Hinsehens“ sowie eine stärkere soziale Vernetzung. Insbesondere sei es wichtig, junge Menschen früh in soziale Strukturen wie etwa Sportvereine, Musikangebote o.Ä. einzubinden, um eine soziale Isolation zu vermeiden.
Darüber hinaus müsse auch in den einzelnen Schulen mehr Zeit für gemeinsame Gespräche geschaffen werden. Hier komme es insbesondere auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern und Lehrkräften an. „Einer Kuschelpädagogik nach 68er Vorbild erteilen wir jedoch eine klare Absage. Eine solche pädagogische Ausrichtung hat bisher nur dazu geführt, dass sich junge Menschen ihrer Grenzen nicht mehr bewusst sind“, so Hamacher abschließend.