CDU diskutiert: „Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“

Als Abschluss ihrer Reihe zu Fragen der Bio-Medizin, Gentechnik und Sterbebegleitung beschäftigte sich eine Veranstaltung unter der Leitung der stellv. Parteivorsitzenden Dorothea Gravemann mit dem Thema „Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“. Dazu konnten eine Reihe von sachkundigen Referenten begrüßt werden.

Der Neusser Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe machte in seinen Äußerungen deutlich, dass „Sterbebegleitung, schmerzlindernde medizinische Hilfe und menschliche Zuwendung zum Schwerstkranken und seinen Angehörigen, die humanitäre und auch die christlich gebotene Alternative zu einer nicht akzeptablen Sterbehilfe ist.“ Deutlich kritisierte er dabei die Gesetzgebung in den Niederlanden und eine ähnliche sich abzeichnende Regelung in Belgien: „Die Tötung von Menschen ohne ausdrückliches Verlangen in allein offiziell mehr als 900 Fällen im Jahr, die Tötung von Dementen, phsychisch Kranken und Minderjährigen entlarven das Gerede vom selbstbestimmten Sterben.“

Hermann Gröhe bedauerte aber auch, dass „ die rot-Grüne Mehrheit im Gesundheitsausschuß im Deutschen Bundestag in der vorletzten Woche einen Antrag der Union-Fraktion abgelehnt hat, der auf eine Verbesserung der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung für die stationäre Hospizarbeit zielte. Hier werden die Betroffenen, die Angehörigen, aber auch die vielen, zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Hospizen im Stich gelassen.“

Hermann Gröhe, der auch Vorsitzender des Diakonischen Werkes in der Stadt Neuss ist, erläuterte die Angebote des häuslichen Hospizdienstes der Diakonie. Für die umfassenden Hilfs-u. Beratungsangebote für die Schwerstkranken und ihre Angehörigen würden die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer intensiv ausgebildet und während ihrer Tätigkeit begleitet. Ein Förderverein helfe diese kostenlose Angebote finanziell abzusichern.

Dr. H.G. Hüsch, stellv. Vorsitzender des Vereins Augustinus-Hospiz schilderte die sich verändernden gesellschaftlichen Strukturen: „Wir haben in Deutschland allein 40 % Single-Haushalte und diese Zahl steigt noch.“ Auch durch die Veränderung im Gesundheitswesen, die in der Zukunft eine schnellere Entlassung aus dem Krankenhaus mit sich bringen, sei eine weitergehende intensive Betreuung erst recht für Schwerstkranke und Sterbende notwendig. Gemeinsam mit Dr. WilhelmTheodor Schillings, dem behandelnden Arzt im Augustinus-Hospiz stellte Dr. Hüsch die kurze aber eindrucksvolle Geschichte des Neusser Hauses vor. Seit Gründung des Augustinus-Hospiz, das von den Augustinerinnen getragen wird, seien 900 Gäste betreut worden. Dr. Hüsch betonte, dass ohne das Engagement des Ordens und privater Förderer der erhebliche Aufwand der Betreuung nicht zu finanzieren sei.

Schwester Maria Goretti, Leiterin des Hauses, schilderte anschaulich die täglichen Bemühungen um das Wohlergehen der Betreuten. Unterstützt von zahlreichen Ehrenamtlichen, für die Doris Kies kurz ihre Eindrücke schilderte, werde versucht eine möglichst persönliche und die individuellen Bedürfnisse der Sterbenden berücksichtigende Atmosphäre zu schaffen. „In unserem Haus wird trotz der Tatsache, dass es sich um Schwerstkranke und Sterbende handelt, auch gelacht und es herrscht eine lebensbejahende Stimmung,“ getragen vom Grundsatz der christlichen Botschaft, versicherte Schwester Maria Goretti überzeugend.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der bisherige Stellenwert der sog. „palliativen Medizin“, in der es darum geht, dem Schwerstkranken unnötige Schmerzen und Beeinträchtigungen durch gezielte medizinische Maßnahmen zu ersparen, in Ausbildung und klinischer Praxis noch zu gering ist. Dr. Schillings machte deutlich, dass an dieser Stelle in der medizinischen Lehre noch große Lücken zu schließen seien.

Ergebnis der Veranstaltung war der Dank aller Teilnehmer vor allem an die ehrenamtlichen Helfer in den Hospizen und die dringende Aufforderung an den Gesetzgeber, endlich für eine ausreichende finanzielle Sicherstellung dieser wichtigen Aufgabe zu sorgen.