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Bits und Bytes - der neue Arbeits-Takt im Hafen

07.04.2001 2 Minuten Lesezeit
Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 7.4.2001

    Dort, wo einst ein Pulsschlag aus Stahl das Neusser Wirtschafts-Herz bewegte, werden künftig Bits und Bytes den (Arbeits-)Rhythmus bestimmen. Dort, wo einst IHC-Blaumänner Traktoren fertigten, werden künftig Weiße-Kragen-Männer vor dem Bildschirm sitzen.

    Den Strukturwandel im Hafen, für den Bürgermeister Napp seit Monaten wirbt, will nun offenbar die Neusser CDU einleiten - und die "regiert" im Stadtrat mit absoluter Mehrheit. Die Christdemokraten wollen "auf dem westlichen Teil der Hafenmole gewerbliche (Büro-)Nutzungen möglich" machen. Die Union sieht die Industriestraße als Durchgangs- und Erschließungsstraße, will die Hafenmole über eine Brücke mit der Düsseldorfer Straße verbinden.

    Kurz und gut: "Die Öffnung der historischen Hauptstraßenachse zum Wasser und die Einbeziehung markanter historischer Plätze in die Überlegung bieten eine einmalige Entwicklungschance, die die Stadt Neuss nutzen muss." Die CDU-Ratsfraktion hat einen Leitantrag eingebracht, der die Perspektive für die östliche Innenstadt zwischen Hafenmole, Busbahnhof, Markt und Münze beschreibt.

    Rund um die Hessentor-Brücke lässt die städtebauliche Phantasie viele Projekte erblühen. Jetzt, so CDU-Chef Karlheinz Irnich, ergreife seine Fraktion die politische Initiative, einem "City-Konzept" den Rahmen zu geben: "Die Detailbetrachtungen müssen sinnvoll verzahnt werden." Die Autoren des Leitantrages "Neuss. Am Rhein" sind prominent. Neben Irnich wirkten die beiden Fraktions-Vize Heinz Hick und Dr. Michael Werhahn sowie der einflussreiche Innenstadt-Ratsherr Dr. Heinz Günther Hüsch mit; hinzu kamen Bürgermeister Herbert Napp und Partei-Chef Cornel Hüsch. "Die Grundpositionen sind unstrittig", versichert Irnich, "auch der Bürgermeister steht voll und ganz hinter dem Antrag." Er werde von einer überaus breiten Mehrheit getragen.

    Das Studium des fünfseitigen Antrages macht deutlich, warum Irnich die Einbindung des Bürgermeisters so deutlich betont. Die Erklärung, die Hafenmole West - gemeint ist die Westseite der Industriestraße - für Bürogebäude zu öffnen, wird den Rathaus-Chef freuen; ebenso der CDU-Wille, die Straßenbahn-Frage nach über drei Jahrzehnten beantworten zu wollen.

    Doch Bürgermeister Napp und die von ihm geführte Verwaltung wird auch eigene Vorstellungen überdenken müssen. So beharrt die CDU darauf, dass unter dem Busbahnhof eine Tiefgarage "mit einem Parkplatzüberschuss von 200 Stellplätzen" entsteht. Mehr noch: Die endgültige Umgestaltung des Marktplatzes will die CDU-Mehrheit erst angehen, wenn unter dem Busbahnhof ausreichend "Alternativ-Parkflächen" neu zur Verfügung stehen. Der Bürgermeister, der den "Markt zügig anpacken" wollte, wird sich jetzt womöglich mit einigen "vorbereitenden Teilmaßnahmen" begnügen müssen.

    Auch die Rathaus-Vorschläge für den Busbahnhof scheinen Makulatur. Keine Rede mehr vom Erhalt der "großkronigen Plantanen", der Schaffung eines größeren attraktiven Platzbereichs" und einer verkleinerten Tiefgarage. Die CDU will dort eine "Wohn- und gewerbliche Nutzung" auf "der Grundlage der Preisträgerarbeiten" aus dem Realisierungswettbewerbs "Hessentor". Und die Union sagt auch, wer das Projekt entwickeln soll: Neusser Bauverein AG, ein Tochter-Unternehmen der Stadt Neuss.

    Schließlich fordert die CDU-Fraktion, die Straßenbahn "kurzfristig aus dem Hauptstraßenzug zwischen Schauspielhaus und Hafenstraße zu entfernen". Dem CDU-Planungsexperten Heinz Hick gelang es, die Antworten offen zu lassen: Abbindung, Umfahrung des "Horten"-Komplexes, Trasse Batteriestraße heißen die Alternativen.
    Ludger Baten