Das Ende des Hausfrauen-Modells
Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 11. August 2004

Der Holzheimer Nickel, der auch Vorsitzender des Diözesanrates und somit "oberster Laie" im Erzbistum Köln ist, glaubt, "dass ohne Familie kein Staat zu machen" sei. Daher sei seine Maxime: "Zeit für die Familie" im Sinne von "Es ist Zeit für die Familie". Dabei entspreche die Familie dem christlichen Menschenbild. Allerdings definiert Nickel seinen Familienbegriff nicht klassisch, sondern so: "Familie ist eine Erziehungsgemeinschaft für Kinder" oder anders ausgedrückt: "Familie ist dort, wo Kinder sich wohlfühlen."
Diesem Ansatz folgend hält Nickel die Familie keineswegs für ein Auslaufmodell. Als Beleg zieht er die Shell-Studie heran. Danach wachsen immer noch 80 Prozent der Kinder bis zu ihrem 15., 16. Lebensjahr in einer intakten Familie heran. Mehr noch: Rund 90 Prozent der Kinder wünschen sich, eine eigene Familie gründen zu können. Der CDU-Sozialexperte leitet daraus die Forderung ab, Politik dürfe nicht nur gute Rahmenbedingungen für Familien schaffen, sondern müsse einen ganzheitlichen Ansatz finden.
Kernpunkt einer solchen Politik müsse es sein, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als einen eigenen Wert anzuerkennen. Davon würden zuerst die Frauen profitieren: "Die sagen Ja zur Familie aber nicht nach dem Hausfrauen-Modell". Es gelte, intelligente Arbeits- und Zeitmodelle in den Unternehmen zu kreieren: "Es geht um die Balance zwischen Familie und Beruf, mit dem Ergebnis: Nur das Beste für das Kind." Unter diesen Vorzeichen müssten auch die Träger von Kindereinrichtungen umdenken, ihre Öffnungszeiten anpassen: "Die müssen um 7 Uhr beginnen und dürfen frühestens um 18 Uhr schließen." Nur so sei ein wirkungsvolles Angebot denkbar.
Er folge daher dem Gedanken des neuen Bundespräsidenten Köhler, der Kinder als die einzige unkündbare Beziehung bezeichnete. Weil dies so sei, erlebe die Familie eine Renaissance. Der Begriff schließe aber längst Alleinerziehende oder Elternteile in neuen Beziehungen mit ein. Für ihn seien "die Kleinsten das Wichtigste", darum müsse die Politik und somit die Gesellschaft "noch mehr Verantwortung für Kinder und Eltern übernehmen".
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11.08.2004